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Buback-Prozess:Boock und die "Brandstifter"

Im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker schildert ein früherer Weggefährte, wie er zur Roten-Armee-Fraktion kam - und berichtet, dass das Attentat auf Generalbundesanwalt Buback eigentlich anders geplant war.

Im Buback-Prozess gegen Verena Becker hat der frühere RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock seine Aussage gemacht. Eigentlich hätte Generalbundesanwalt Siegfried Buback durch eine Haftmine sterben sollen, sagte Boock vor dem Oberlandesgericht Stuttgart-Stammheim. "Das erwies sich jedoch nicht als gängig und wurde verworfen", berichtete der 59-Jährige. Der Prozess soll klären, welche Rolle Becker bei dem Attentat auf Buback spielte. Der damalige Generalbundesanwalt wurde am 7. April 1977 von der Roten-Armee-Fraktion ermordet.

Ex-RAF Terrorist Peter-Jürgen Boock

Peter-Jürgen Boock wurde 1981 selbst verhaftet und unter anderem für die Beteiligung an der Ermordung Jürgen Pontos verurteilt. Bis 1998 saß er in Haft.

(Foto: dpa)

Boock sagte über Becker, sie habe "keine herausragende Rolle gespielt". Boock lernte die Angeklagte nach eigener Aussage 1976 in einem Ausbildungslager in Aden im Jemen kennen. Dort hätten sie ein geheimes Schreiben aus Stuttgart-Stammheim erhalten. Darin sei es um die Befreiung der in Stammheim inhaftierten Mitglieder der ersten RAF-Generation gegangen sowie um ein Attentat auf Buback. Es sei klar gewesen, "dass es ein Mordanschlag sein sollte und keine Entführung", sagte Boock. Becker habe vehement unterstützt, was die Stammheimer wollten, sagte ihr früherer Weggefährte. Sie habe es für richtig gehalten, "das stand außer Frage". Sie sei aber keine Wortführerin gewesen.

Zuvor hatte der Vorsitzende Richter, Hermann Wieland, Boock zu seiner Lebensgeschichte und zur Gründungsgeschichte der RAF befragt. "Sie sollten die historische Chance nutzen, vor der deutschen Bevölkerung und Geschichte das zu sagen, was der Wahrheit entspricht - und zwar in vollständiger Form", ermahnte Wieland den Zeugen.

Boock schilderte ausführlich, wie er als Teenager auf die schiefe Bahn geraten war, wie sie damals von den sogenannten "Brandstiftern" aus Heimen eingesammelt worden seien. Zunächst hätten sie nicht gewusst, dass es gleichgesinnte Gruppen in anderen Städten gab. Doch bald wurde klar: "Der Zusammenschluss war das Ziel." Die Ausbildung im Camp im jemenitischen Aden sei der Weg dahin gewesen.

Aufgefangen von der RAF

Wie andere Jugendliche habe er sich von den RAF-Terroristen der ersten Generation aufgefangen gefühlt, sagte Boock. "Wenn sie um Hilfe gebeten hätten, hätte jeder von uns ihnen zur Verfügung gestanden - ich eben auch." Boock, der heute in Freiburg lebt, gilt als ein Hauptzeuge der Anklage. Seine Aussage ist für zwei Tage angesetzt.

Verena Becker soll laut Anklage maßgeblich an der Planung und Vorbereitung des Anschlags beteiligt gewesen sein. Der Generalbundesanwalt und zwei Begleiter waren von einem RAF-Kommando in Karlsruhe erschossen worden. Wer damals schoss, ist bis heute unklar. Boocks Aussage war eigentlich bereits für Januar geplant gewesen, wurde aber wegen einer Erkrankung Beckers verschoben.