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Brüderle und die Atomlüge:Glück im Unglück hat nur Westerwelle

Damit ist auch schon das Kernproblem der potentiellen Putschisten in der FDP beschrieben. Sie halten Westerwelle für nicht mehr in der Lage, die FDP aus dem Umfragekeller zu holen, in den er die Partei mit Dekadenz-Debatte, Hotel-Steuer und nicht eingehaltener Wahlversprechen gestoßen hat. Der Unmut ist groß. Nur haben sie keine überzeugende personelle Alternative zu bieten, die auch noch bereit wäre, selbst den Königsmörder zu geben.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger würde vielleicht wollen, dürfte sich aber als Bürgerrechtlerin kaum gegen die Wirtschaftsliberalen und notorischen Steuersenker in ihrer Partei durchsetzen können. Gesundheitsminister Philipp Rösler wird nachgesagt, in seinem Amt mehr als ausgelastet zu sein. NRW-Landeschef Daniel Bahr muss sich erst noch beweisen. Bleibt noch Generalsekretär Christian Lindner. Den würden viele nehmen - in fünf bis zehn Jahren. Mit seinen 32 Jahren ist er vielen noch zu jung.

Guido Westerwelle hat Glück im Unglück

Sollte Brüderle noch Ambitionen auf das Amt des FDP-Vorsitzenden gehabt haben, kann er diese jetzt vergessen. Gut möglich, dass seine zwar ehrliche, aber wahlkampftaktisch unpassende Äußerung entscheidende Wählerstimmen kostet. In Baden-Württemberg steht am Sonntag nicht nur die Regierungsmehrheit von Schwarz-Gelb in Frage. Die FDP muss sogar um den Einzug ins Landesparlament fürchten. Knapp könnte es auch in Rheinland-Pfalz werden.

Glück im Unglück hat dabei nur Westerwelle. Er muss nicht mehr fürchten, für die drohenden Wahlniederlagen alleine den Kopf hinhalten zu müssen. Den Atomkurs hat die gesamte FDP mitgetragen. Selbst hartgesottene Westerwelle-Gegner würden nicht auf die Idee kommen, den Bonner Anwaltssprössling auch noch für Erdbeben, Tsunami und Fukushima verantwortlich zu machen.

Im Mai trifft sich eine vermutlich angeschlagene und verunsicherte FDP zu ihrem Bundestreffen in Rostock. Da wird auch der Parteivorsitzende neu gewählt. Die Delegierten werden Westerwelle wählen. Nicht weil sie ihm zutrauen, die FDP wieder stark zu machen. Sie haben einfach keinen anderen. Schlimm genug, dass ihre letzte Hoffnung Rainer Brüderle hieß. Aber die ist ja jetzt auch zerstört.