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Britischer Staatsmann:Churchills Familie befürchtete seinen Übertritt zum Islam

Winston Churchill
(Foto: dpa)
  • Ein nun publik gewordener Brief von Winstons Churchills Schwägerin an den Staatsmann enthält die Bitte, nicht zum Islam zum konvertieren.
  • Der spätere britische Premierminister erwog wohl nie den Religionswechsel, doch er war von der islamischen Welt fasziniert.
  • 1940 billigte er den Bau einer Moschee mitten in London und stellte staatliche Gelder für deren Bau zur Verfügung.

"Bitte tritt nicht zum Islam über"

Die Familie des früheren britischen Premierministers Winston Churchill (1874-1965) hat sich Sorgen wegen dessen Sympathien für den Islam gemacht. Churchills spätere Schwägerin Gwendoline Bertie schrieb 1907 dem Politiker: "Bitte tritt nicht zum Islam über". Sie habe bei Churchill eine Tendenz zum Paschahaften bemerkt und bitte ihn, gegen etwaige Versuchungen anzukämpfen.

Den Brief hat der Historiker Warren Dockter von der Universität Cambridge bei Recherchen zu einem Buch über den Staatsmann Churchill und sein Verhältnis zur muslimischen Welt entdeckt, wie britische Medien am Sonntag berichteten.

"Churchill zog es nie ernsthaft in Betracht, überzutreten", sagte Dockter dem Independent. Er sei zu dieser Zeit mehr oder weniger Atheist gewesen, der Islam habe ihn aber auf besondere Weise fasziniert. Er habe privat sogar hin und wieder arabische Kleidung getragen.

Abfällige Äußerungen in frühem Buch

Ebenfalls 1907 schrieb Churchill demnach selbst in einem Brief, er wünsche, er sei ein Pascha - und meinte damit einen Ehrenrang im Osmanischen Reich. Wenige Jahre zuvor hatte sich der legendäre britische Staatsmann allerdings noch abfällig über den Islam geäußert: "Einzelne Muslime mögen brillante Eigenschaften zeigen, aber der Einfluss der Religion lähmt die soziale Entwicklung derer, die ihr angehören", schrieb er im Buch The River War.

Churchills Todestag jährt sich am 24. Januar zum 50. Mal. Er war britischer Premierminister von 1940 bis 1945 während des Zweiten Weltkriegs und von 1951 bis 1955. Er war Autor mehrerer Bücher und erhielt 1953 den Nobelpreis für Literatur.

Staatlich subventionierter Moscheebau

Was Churchill über die heutige Islamfeindlichkeit und Islamfurcht wohl gesagt hätte? Angst vor einer Islamisierung des Abendlandes hatte er auf jeden Fall nicht.

Denn seine Wertschätzung für den muslimischen Glauben (und sein Kalkül, in der islamischen Welt Unterstützung zu finden), zeigte er auch als frisch ins Amt gewählter Premierminister im Weltkriegsjahr 1940. Damals segnete er den Bau einer Moschee in London ab.

Die Regent's Park Mosque wurde direkt neben dem berühmten gleichnamigen Park errichtet, und zwar mit staatlicher Hilfe. Churchill hatte 100.000 Pfund bereitgestellt.

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