Britischer Premier im Umfragetief Der "geschrumpfte" Gordon

Die ältere Dame, über die Gordon Brown bei laufendem Mikrofon gespottet hatte, zeigt Mitgefühl mit dem britischen Premier. Wählen wird sie Brown allerdings nicht - genauso wenig wie die meisten Briten.

Die Signale, die das britische Wahlvolk derzeit an Gordon Brown aussendet, sind alles andere als ermutigend: Sie reichen von Mitleid bis Missachtung. So bekundete die ältere Dame, über die sich der noch amtierende Premier Großbritanniens vor laufenden Mikrofonen abfällig geäußert hatte, ihr Mitgefühl mit Brown. Und glaubt man aktuellen Wahlprognosen, haben die Briten den Labour-Politiker angezählt.

Peinlicher Wahlkampfpatzer: Bei laufendem Mikrofon bezeichnete der britische Premier Gordon Brown (rechts) eine Seniorin als "verbohrt".

(Foto: Foto: Reuters)

Wie die Zeitung Mail on Sunday berichtete, sagte die Witwe Gillian Duffy in einem Gespräch mit Brown, dass ihr "wirklich leid" tue, was passiert sei, weil Brown "mehr zu verlieren" habe als sie. Über den Vorfall sei sie "nicht wütend, sondern traurig".

Verhängnisvolle Schimpftirade

Gillian Duffys Großmut findet ihre Grenze allerdings an der Wahlurne: Die Seniorin, die ihr Leben lang die Labour-Partei Browns unterstützte, wird bei der bevorstehenden Parlamentswahl am 6. Mai nun nicht wählen gehen.

Brown hatte sich am Mittwoch einen schweren Patzer im Wahlkampf geleistet. Nach der Begegnung mit der Witwe im nordwestenglischen Rochdale nannte er deren Äußerungen "eine Katastrophe". "Man hätte niemals ein Treffen mit dieser Frau organisieren dürfen", polterte Brown und nannte die Frau "verbohrt".

Bei seiner Schimpftirade vergaß der Premier jedoch, dass noch das Mikrofon des Kamerateams an seinem Anzug steckte. Die Äußerungen wurden anschließend landesweit gesendet.

Brown zeigte sich nach dem Vorfall zwar reumütig, dennoch geht er mit einem deutlichen Rückstand in den Wahlkampfendspurt. Nach letzten Umfragen könnten die konservativen Tories bei der Parlamentswahl am Donnerstag bis zu zwölf Prozentpunkte vor Browns Labour-Partei landen. "Wir sind der Außenseiter", räumte der Premier in einem Zeitungsinterview ein.

Immer neue Rückschläge

Eine Erhebung des Instituts YouGov für die Zeitung Sunday Times sah Labour mit 27 Prozent nur an dritter Stelle hinter den Liberaldemokraten (28 Prozent) und den Tories (35 Prozent). In einer Umfrage des Instituts Angus Reid für die Zeitung Sunday Express lag Labour sogar nur bei 23 Prozent - zwölf Prozentpunkte hinter den Konservativen.

Als unsicher gilt allerdings, ob die Tories eine absolute Mehrheit im Londoner Unterhaus erringen können. Andernfalls wären sie vermutlich auf eine Unterstützung der Liberaldemokraten angewiesen.

Der Zeitung The Observer sagte Brown, er werde "jede Sekunde jedes Tages" für seinen Sieg kämpfen. Doch der Premierminister muss immer neue Rückschläge hinnehmen: Am Wochenende entzogen ihm die führenden Zeitungen Times und Guardian ihre Unterstützung.

"Die Wirtschaft ist in Gefahr. Das Risiko ist Brown", schrieb die Times in ihrer Samstagsausgabe. Zum ersten Mal seit 18 Jahren empfahl das Blatt, für die Tories zu stimmen. Auch der traditionell der Labour-Partei zugeneigte Guardian versagte dem Regierungschef für den Urnengang am 6. Mai die Unterstützung und rief zur Wahl der Liberaldemokraten auf, deren Anführer Nick Clegg bei den TV-Debatten punkten konnte.

Der konservative Spitzenkandidat David Cameron nannte Brown eine "geschrumpfte Persönlichkeit", die sich verzweifelt an die Macht klammere. Seine Tories seien bereit, die Verantwortung für das Land zu übernehmen, sagte Cameron der Sunday Times.

Brown gelangte im Jahr 2007 an die Macht, allerdings ohne eine Parlamentswahl. Er folgte Premierminister Tony Blair nach, der Labour in den Jahren 1997, 2001 und 2005 zu Wahlsiegen geführt hatte.

Gordon Brown

Er will einfach nicht gehen