Spanien:Unerwiderte Liebe

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Spanien: Die Wohlfühlatmosphäre ist dahin: Briten empfinden sich in Spanien neuerdings als eingeschränkt - sowohl beim Trinken als auch beim Autofahren.

Die Wohlfühlatmosphäre ist dahin: Briten empfinden sich in Spanien neuerdings als eingeschränkt - sowohl beim Trinken als auch beim Autofahren.

(Foto: David Ramos/Getty Images)

Niemanden zieht es so heftig unter Spaniens Sonne wie die Briten. Doch nun haben viele das Gefühl, man macht ihnen dort unnötig das Leben schwer.

Von Karin Janker

In der Ferne sucht man, was man zu Hause vermisst. Bestes Beispiel sind die Briten, die es nach Spanien zieht. Sie stellen nach Marokkanern, Rumänen und Kolumbianern die größte Einwanderergruppe, kommen aber anders als diese eher nicht auf der Suche nach Arbeit, sondern mit Hunger nach Sonne. Britische Residenten siedeln sich daher weniger im kühlen Galicien oder im feuchten Kantabrien an. Sie suchen Wüstenklima: Murcia, Alicante, Almería. Allein in der Provinz Alicante leben 75 000 Briten, meist Rentner, die sich ein Appartement im Hinterland der Costa Blanca gekauft haben.

Die vergangenen Jahre waren nicht leicht für sie. Die Pandemie erschwerte Reisen und Familienbesuche ohnehin. Spanien verhängte zusätzliche Quarantäne-Regeln speziell für Reisende aus Großbritannien. Man wollte sich von neuen Virusvarianten abschirmen. Gelungen ist das nicht. Stattdessen ging die spanische Wirtschaft in die Knie. Briten stellen die größte Urlaubergruppe, weit vor den Deutschen. Spanier gebeutelt, Briten verprellt - die Beziehungen sind schwierig. Und das, obwohl die Liebe der Briten zu Spanien über Jahrzehnte gewachsen ist. In den 50ern kamen die ersten britischen Urlauber hier an, der Massentourismus wurde geboren, man lebte fortan voneinander und miteinander.

Wie in jeder Beziehung gibt es Konflikte: Gerade auf Mallorca haben Hoteliers die Nase voll. Seit Jahren quartiert man britische Urlauber in Magaluf, dem britischen Ballermann, lieber im Erdgeschoss ein. Grund dafür waren schwere Kopfverletzungen, die sich betrunkene Touristen zuzogen, als sie vom Balkon aus in den Hotelpool sprangen. Nun gibt es eine neue Erziehungsmaßnahme: In den All-inclusive-Hotels sind jetzt nur noch sechs alkoholische Getränke pro Tag kostenlos, drei zum Mittagessen, drei zum Abendessen, Häufeln nicht erlaubt.

Doch es trifft nicht nur Partyurlauber. Den Residenten macht der Brexit das Leben schwer. Von einem "Breakdown" spricht The Olive Press, eines der größten Medien für Expats, denn seit Sonntag dürfen sie in Spanien nicht mehr Auto fahren. Es sei denn, sie haben bis Ende vergangenen Jahres ihren britischen Führerschein auf einen spanischen umschreiben lassen. Wer das nicht getan hat - und offenbar sind das Zehntausende -, zahlt nun Strafe, wenn er beim Fahren erwischt wird.

Spanien ist damit das einzige Land in der EU, das britische Führerscheine in Post-Brexit-Zeiten so behandelt, als existierten sie nicht. So sitzen nun Briten in malerischen Dörfern fest, ohne Möglichkeit, zum nächsten Supermarkt zu kommen. The Olive Press zitiert einen Mann, den es - warum auch immer - nach Kantabrien verschlagen hat: Ohne Auto sei er "aufgeschmissen", gewarnt habe ihn niemand. Nur eine E-Mail von der britischen Botschaft, dass er ab Sonntag nicht mehr fahren dürfe, die kam am Samstag.

Die Botschaft gibt sich zwar überzeugt, dass noch ein Abkommen erzielt werde. Man bleibt aber pragmatisch: Warten solle man darauf lieber nicht, sondern sich so bald wie möglich bei einer Fahrschule anmelden und die spanische Prüfung ablegen. Britische Touristen sind von der Regel ausgenommen, die dürfen fahren. Vorausgesetzt, sie sind nüchtern.

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