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Briefwechsel zwischen Maschmeyer und Schröder:"Des einen Leid, des anderen Freud"

Noch interessanter als die Rechenspiele sind die Einblicke in den Ton, den Maschmeyer gegenüber Schröder anschlug. Da heißt es 2004 in einem Brief Maschmeyers an den damaligen Kanzler, er wünsche ihm, "weiterhin Deinen Mut, Deine Kraft und Beharrlichkeit beizubehalten". Nur noch "wenige Ewiggestrige" hätten "nicht verstanden, dass es keine Alternative zu einem Reformkurs in Deutschland gibt". Einmal unterschreibt der AWD-Chef einen Brief "in tiefer Hochachtung".

Was er dafür bekam? Laut Schreiben, die im Stern zitiert sind, unter anderem Hilfe vom Kanzleramt, wenn er etwa einen Redner für eine eigene Veranstaltung suchte. Da bekam Maschmeyer schon mal ein Mitglied der britischen Regierung vermittelt. Mit deren damaligem Chef Tony Blair pflegte Schröder lange Zeit gute Kontakte.

Aber von solchen Schmeicheleien und Merkwürdigkeiten noch einmal zur Frage, ob der damalige Kanzler dem Finanzunternehmer mit der Reform der Riester-Rente willentlich einen Gefallen tat. Dazu zitiert der Stern ein Fax, das Maschmeyer im Mai 2004 an Schröders Büroleiterin Sigrid Krampitz schickte. Darin schreibt er, Schröder habe mit ihm besprochen, dass man sich "Ende dieser Woche - möglichst bei ihm zu Hause" treffen solle, um "über Pensionsreform / Riester-Rente / Lebensversicherungsbesteuerung zu sprechen" - am besten zusammen mit Frank-Walter Steinmeier, damals Chef des Kanzleramts.

Sechs statt elf Kriterien bei der Riester-Rente

Anfang 2005 kam dann tatsächlich die Reform der Riester-Rente. Die rot-grüne Bundesregierung hob sechs von elf Kriterien auf, die ein Finanzprodukt erfüllen musste, um als Riester-Rente staatlich gefördert zu werden. Zudem mussten Finanzberater nun nicht mehr zehn, sondern nur noch fünf Jahre auf ihre kompletten Provisionen warten - der Abschluss von Verträgen wurde für sie deutlich attraktiver.

Maschmeyers Sprecherin verweist allerdings darauf, dass der AWD nur drei Prozent aller abgeschlossenen Riester-Verträge vermittelt habe. Maschmeyer sei keineswegs der Hauptprofiteur der neuen Rechtslage gewesen. Tatsächlich hatte damals die gesamte Versicherungs- und Finanzbranche Änderungen gefordert, Maschmeyer war nur einer von vielen Lobbyisten. Aber eben einer mit Zugang zum Kanzler.

In der AWD-Mitarbeiterzeitung schrieb er damals zur neuen Rechtslage: "So traurig es eigentlich ist, dass die größte Kürzung der gesetzlichen Rentenversicherung stattfindet, wir haben hervorragende Arbeitsbedingungen." Es handele sich um "eine Riesenchance, denn im Schnitt werden den Menschen 1000 Euro Rente monatlich fehlen". Dann zitierte er: "Wie heißt es so schön, des einen Leid, des anderen Freud."

© SZ vom 14.11.2014/dayk
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