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Brief an den Kongress:Pentagon warnt vor Intervention in Syrien

Martin Dempsey Syrien

Chairman of the Joint Chiefs of Staff General Martin Dempsey listet in einem Brief militärische Optionen für Syrien auf.

(Foto: AFP)

Noch nie hat das US-Verteidigungsministerium so detailliert wie jetzt in einem Brief an den Kongress beschrieben, welche Eingriffsmöglichkeiten es in Syrien sieht. Doch der amerikanische Generalstabschef Dempsey warnt darin auch vor einem Militäreinsatz - nicht nur wegen der hohen Kosten.

Der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs, General Martin Dempsey, hat in einem Brief an den Kongress verschiedene Möglichkeiten für ein militärisches Eingreifen seines Landes in Syrien beschrieben und gleichzeitig davor gewarnt. Es ist das erste Mal, dass das Pentagon eine so detaillierte Liste aufstellt und explizit beschreibt, welche Herausforderungen es in einer Intervention sieht. In dem Schreiben, das am Montag (Ortszeit) bekannt wurde, erläuterte Dempsey fünf Optionen von Aufklärungs- und Waffenschulungen für die syrischen Rebellen bis hin zum umfassenden Einsatz von US-Bodentruppen in dem Bürgerkriegsland.

Dempsey betonte zwar, die Entscheidung über das weitere Vorgehen obliege der Politik, warnte aber zugleich vor den Risiken eines US-Militäreinsatzes in Syrien. Dadurch könnten Extremisten gestärkt werden, und die Führung um Baschar al-Assad könnte Vergeltungsschläge ausführen. Außerdem sei ein Einsatz sehr kostspielig: Für gezielte Angriffe auf militärische Einrichtungen der Regierung von Präsident Assad aus der Distanz seien Hunderte Kampfflugzeuge, Schiffe und U-Boote nötig. Die Kosten "würden in die Milliarden gehen", schrieb Dempsey an den Vorsitzenden des Streitkräfteausschusses im Senat, Carl Levin.

Als weitere Stufe sei die Einrichtung einer Flugverbotszone denkbar, um Luftangriffe der syrischen Regierungstruppen auf die Rebellen zu verhindern. Zudem könnten zum Schutz der zahlreichen Flüchtlinge sogenannte humanitäre Korridore geschaffen und überwacht werden, was voraussichtlich mehr als eine Milliarde Dollar (760 Millionen Euro) im Monat kosten würde. Außerdem gäbe es die Möglichkeit, "Tausende Spezialkräfte und andere Bodentruppen" einzusetzen, um mögliche Lager von chemischen Waffen anzugreifen und unter US-Kontrolle zu bringen.

Am Montag (Ortszeit) hat der Kongress genehmigt, dass die USA die syrischen Rebellen mit Waffen beliefern. Sowohl Republikaner als auch Demokraten in Repräsentantenhaus und Senat haben aber weiterhin Bedenken geäußert, dass die Waffen in die Hände von Islamisten gelangen und die Rebellen selbst mit dieser Hilfe den Kampf nicht für sich entscheiden könnten.

Derzeit unterstützt das Land die syrischen Rebellen lediglich humanitär und mit sogenannter nicht tödlicher Ausrüstung, wie zum Beispiel Schutzwesten und Kommunikationsmitteln. Schon im Juni hatte die US-Regierung militärische Hilfe für die Aufständischen angekündigt, weil sie den Einsatz von Chemiewaffen durch die Regierungstruppen für erwiesen hält.

Rebellen nehmen Stadt bei Aleppo ein

Syrische Rebellen haben unterdessen die Einnahme der bislang von Regierungssoldaten gehaltenen Stadt Chan al-Assal in der Provinz Aleppo gemeldet. Es sei eine der beiden letzten von den Regierungstruppen gehaltenen Städte bei Aleppo gewesen, berichteten Oppositionelle. Die den Rebellen nahestehende Beobachtungsgruppe für Menschenrechte teilte mit, Offiziere der Armee hätten kapituliert, nachdem die Aufständischen einen südlichen Stadtbezirk umzingelt hätten. Videoaufnahmen im Internet zeigen Panzer, die sich angeblich aus der seit Wochen belagerten Stadt zurückziehen.

Während in der Region Aleppo die Rebellen noch Siege vermelden, sind die Truppen von Präsident Assad in anderen Landesteilen in den vergangenen Wochen aber in die Offensive gegangen. Am Sonntag hatten Regierungstruppen nahe der Hauptstadt Damaskus mindestens 49 Rebellen getötet. Nach Berichten der Beobachtungsstelle wurden sie in einem Hinterhalt attackiert. Der Angriff habe sich unweit der strategisch wichtigen Stadt Adra ereignet, die die Rebellen von der Armee zurückerobern wollten.

In dem Bürgerkrieg in Syrien sind Schätzungen zufolge bislang mehr als 100.000 Menschen ums Leben gekommen. Begonnen hatte es mit einem Aufstand eines Teils des syrischen Volkes vor mehr als zwei Jahren. Dieser Aufstand eskalierte zu einem Bürgerkrieg, an dem sich auch ausländische Kämpfer beteiligen.

Die USA und einige Länder der Europäischen Union erwägen Waffenlieferungen an die Rebellen, wollen aber verhindern, dass sie in die Hände von Extremisten geraten.

© Süddeutsche.de/AFP/Reuters/ratz/mane/bavo

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