Brics-GipfelIndiens Premier rügt Umgang mit dem „globalen Süden“

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Beziehungsstatus kompliziert: Der Inder Narendra Modi (rechts) und der chinesische Premier Li Qiang, den Präsident Xi Jinping als Vertreter schickte.
Beziehungsstatus kompliziert: Der Inder Narendra Modi (rechts) und der chinesische Premier Li Qiang, den Präsident Xi Jinping als Vertreter schickte.
PABLO PORCIUNCULA/AFP
  • Beim Brics-Treffen 2025 in Rio de Janeiro kritisiert Indiens Premier Modi die Behandlung des "globalen Südens" und fordert mehr Repräsentation in globalen Institutionen.
  • Die Brics-Gruppe, zu der nun auch Ägypten, Äthiopien, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indonesien gehören, prangert Israels Vorgehen in Gaza an und äußert Besorgnis über US-Strafzölle.
  • Nach Terroranschlägen in Kaschmir und Luftschlägen zwischen Indien und Pakistan stellt sich US-Präsident Trump als Friedensstifter dar, was zu Spannungen mit Indien führt.
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Narendra Modi hält auf dem Brics-Gipfel in Rio de Janeiro eine starke Rede. Aber wer hört schon genau zu, in der schwierigen politischen Lage, in der sich die Welt 2025 befindet?

Von David Pfeifer, Bangkok

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„Der globale Süden ist ein Opfer der Doppelmoral“, lautete eine der markanten Aussagen von Narendra Modi zum Abschluss des Brics-Treffens. Ohne Frage hat Indiens Premierminister recht mit dieser Aussage. Weiter prangerte er in seiner Rede in Rio de Janeiro an, dass der globale Süden in den Bereichen Klimafinanzierung, nachhaltige Entwicklung und Technologiezugang nur „symbolische Gesten“ aus dem Westen erhalte, dass „die Entwicklung, die Verteidigung von Ressourcen und die Sicherheit auf der Welt immer noch krass ungleich verteilt“ sei.

Alles korrekt. Nur: Wer hat Modi zugehört? Diplomatie ist zu einem heiklen Geschäft geworden, im Jahr 2025.

Zwei wichtige Teilenehmer fehlten auf dem Gipfel: China und Russland. Chinas Präsident Xi Jinping nahm zum ersten Mal seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2012 nicht teil, er schickte seinen Premierminister. Der russische Präsident Wladimir Putin sprach nur per Videoschaltung, weil er Reisen ins Ausland aufgrund des gegen ihn vorliegenden internationalen Haftbefehls weitgehend vermeidet. So war der Inder Narendra Modi quasi die bedeutendste Figur – das Treffen selbst aber wirkte angesichts der globalen Herausforderungen seltsam kraftlos.

Die Länder teilen wirtschaftliche Ziele – und die Ablehnung Israels

Modi versucht schon seit Jahren, sich als Sprecher des Globalen Südens zu etablieren. Vor dem Brics-Treffen hatte er bereits seine längste diplomatische Reise seit zehn Jahren unternommen, er besuchte Ghana, Trinidad und Tobago und Argentinien, bevor er in Rio de Janeiro landete. Überall kritisierte er, dass globale Institutionen wie die Vereinten Nationen immer noch nicht die Mehrheit der Weltbevölkerung repräsentieren würden, die nun mal nicht in Nordamerika oder Europa lebt, sondern in Asien, Afrika und Südamerika. Etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung zählen zu den BRICS-Kernländern Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Wobei China, das noch als Schwellenland gilt, zur zweitgrößten Wirtschaftskraft der Welt herangewachsen ist.

Parallel zu Chinas Aufstieg wuchsen die Spannungen im Verhältnis zu Indien. Die USA gelten eigentlich als Delhis Verbündeter, haben sich aber in Indiens jüngstem Konflikt mit Pakistan eher auf die Seite Islamabads geschlagen. Der Beziehungsstatus ist aktuell also in jede Richtung kompliziert. Zumal neben den Brics-Kernländern seit 2024 auch Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate Mitglied sind. In diesem Jahr folgte Indonesien, das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit. Diese Länder eint vor allem der Wille, wirtschaftlich zusammenzuarbeiten. Und die gemeinsame Ablehnung Israels.

Israels militärisches Vorgehen in Gaza wurde folgerichtig in der Abschlusserklärung angeprangert. Die Lage in der Ukraine war nur eine Erwähnung wert, die jüngsten ukrainischen Angriffe auf Russland wurden dagegen „aufs Schärfste“ verurteilt. Man wollte das Brics-Mitglied Russland schonen.  So verschieben sich die politischen Gewichte, je mehr man die Perspektive des Globalen Süden einnimmt. Ein größerer Teil der Brics-Staaten macht sich vor allem Sorgen um die aktuelle US-Politik und die Strafzölle, die bald in Kraft treten sollten. Die Gruppe äußerte „ernste Besorgnis“ über den Anstieg der Zölle, die „nicht mit den Regeln der Welthandelsorganisation vereinbar“ seien. Der Welthandel könnte in Folge eingeschränkt, globale Lieferketten gestört werden. In der Erklärung wurde Donald Trump nicht beim Namen genannt, vermutlich um ihn nicht aufzubringen. Genützt hat es nichts.

Auf eine wolkige Kritik an Zöllen reagiert Donald Trump sofort

Trotz der eher wolkigen Kritik drohte der US-Präsident umgehend in seinem eigenen Social-Media-Dienst: „Jedes Land, das sich der antiamerikanischen Politik der BRICS anschließt, wird mit einem ZUSÄTZLICHEN Zoll von 10 % belegt werden. Es wird keine Ausnahmen von dieser Politik geben.“ So eng also, wie es ursprünglich von beiden dargestellt wurde, kann die Freundschaft zwischen Donald Trump und Narendra Modi nicht sein. Das wurde schon nach der Terrorattacke in Pahalgam deutlich, bei der am 22. April 26 Hindus im indischen Teil Kaschmirs erschossen wurden. Im anschließenden Konflikt zwischen den Atommächten Pakistan und Indien, bei dem es zu Luftschlägen auf beiden Seiten kam, stellte der US-Präsident sich anschließend als Friedensstifter dar, trotz mehrfacher, heftiger Dementis aus Delhi.

Modi betonte, dass Indien „in der Vergangenheit keine Vermittlung akzeptiert hat und dies auch nie tun wird.“ Später empfing Trump den pakistanischen Armeechef, Feldmarschall Asim Munir, im Weißen Haus. Das wirkte wie Hohn, angesichts der Tatsache, dass man in Indien überzeugt ist, dass die Anschläge in Pahalgam in Islamabad orchestriert wurden. „Zwei sehr kluge Menschen haben beschlossen, diesen Krieg nicht fortzusetzen, der zu einem Atomkrieg hätte führen können“, sagte Trump anschließend vor Reportern. Gemeint waren Munir – und Trump selbst. Das pakistanische Militär teilte nach dem Treffen mit, dass Trump und Munir während des zweistündigen Treffens auch über Handel, wirtschaftliche Entwicklung und Kryptowährungen sowie die Spannungen zwischen Israel und Iran gesprochen hätten.

Die USA haben sich in der Vergangenheit mehrfach auf die Seite Pakistans gestellt, bei Konflikten mit Indien, das sich traditionell in Russland und der Sowjetunion mit Waffen und Energie eindeckt. Auf die Frage, was er mit dem Treffen mit Munir erreichen wollte, antwortete Trump anschließend der Nachrichtenagentur Reuters: „Nun, ich habe einen Krieg verhindert ... Ich liebe Pakistan. Ich denke, Modi ist ein fantastischer Mann. Ich habe gestern Abend mit ihm gesprochen. Wir werden ein Handelsabkommen mit Modi aus Indien abschließen.“

Anna Kelly, Sprecherin des Weißen Hauses, erklärte außerdem, Trump habe Munir empfangen, nachdem dieser vorgeschlagen hatte, dass der US-Präsident für die Verhinderung eines Atomkriegs zwischen Indien und Pakistan für den Friedensnobelpreis nominiert werden soll. So funktioniert Diplomatie im Jahr 2025.

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