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Brexit-Verhandlungen:Tusk will kein Rosinenpicken zulassen

Die dritte Rede nun, gehalten im "Mansion House" in London, war von Mays Medienteam vorab groß inszeniert worden - zum Aufwärmen wurden mit romantischer Cello-Musik unterlegte Ausschnitte aus den vorherigen Ansprachen herumgeschickt, die Kontinuität suggerieren sollten. Die neueste, mit Verbeugungen gegenüber Brüssel gespickte Version der Brexit-Planung sollte zudem Höhepunkt eines Reden-Reigens von Ministern in den vergangenen zwei Wochen sein, der einen ersten Höhepunkt im Auftritt von Brexit-Minister David Davies gefunden hatte: Der Brexit, so Davis, werde Großbritannien nicht in eine "Mad-Max-Dystopie" stürzen.

EU-Ratspräsident Tusk sagt, dass man in der Irland-Frage hart bleiben werde

Das genau scheinen aber zahlreiche hochrangige Politiker zu fürchten, die sich ebenfalls in den vergangenen Tagen zu Wort meldeten: Der konservative Ex-Premier John Major mahnte in einer Rede ein zweites Referendum an und kritisierte, viele Wähler seien vor dem ersten Referendum schlicht in die Irre geführt worden. Einen Tag später meldete sich Ex-Premier Tony Blair von Labour zu Wort und argumentierte, der Brexit müsse abgewendet und durch substanzielle Reformen innerhalb der EU ersetzt werden.

Und der ehemalige Chef der Liberaldemokraten und Ex-Vizepremier Nick Clegg sagte in London, der Brexit, wie ihn sich May und die Tories vorstellten, werde an seinen eigenen Widersprüchen ersticken, der Traum von einer nationalen Souveränität wie im 19. Jahrhundert sei überholt, das Irland-Problem unlösbar und die ganze Brexit-Kampagne ein "zutiefst unehrliches intellektuelles Projekt" gewesen.

Als sei das nicht genug, hatte sich am Donnerstag auch EU-Ratspräsident Donald Tusk in die britische Hauptstadt begeben und gegenüber May noch einmal klargemacht, dass es kein Rosinenpicken geben und man in der Irland-Frage hart bleiben werde. Wenn Großbritannien nicht bereit sei, den Verbleib Nordirlands in der Zollunion zu ertragen, um eine harte Grenze auf der irischen Insel zu vermeiden, müsse London endlich mit einer handhabbaren Lösung daherkommen. Er sehe bisher keine Bewegung, nur Verhärtung - was just dem Vorwurf gleicht, den May und ihre Regierung augenblicklich den Gesprächspartnern in Brüssel machen.

Mays Rede musste also nach allen Seiten befrieden, große Lösungen anbieten, visionär und zugleich detailliert sein. Schon am Vortag hatten allerdings alle britischen Medien gewarnt, man solle nicht zu viel erwarten. Klare Vorschläge zur Zollunion und zu Irland seien nicht geplant.

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May machte stattdessen klar, dass man jetzt erst beginne, mit Brüssel einen Vertrag zu verhandeln, der beiden Seiten Rechte und Pflichten in gleichem Maße abverlange. Nun muss die EU sagen, ob sie dazu bereit ist.