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Brexit:Pfeifen vor Angst

In Brüssel wächst die Sorge vor dem Brexit. Nun überreagiert das Spitzenpersonal und zeigt seine Panik.

Lange war Schweigen. Spitzenpolitiker der EU beherzigten die Bitte aus London, sich aus der Schlacht um Europa herauszuhalten. Das schuf eine Spannung, die einige in Brüssel zuletzt nicht mehr ausgehalten haben. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker stellte Überlegungen darüber an, wie es Deserteuren ergehen könnte. Ratspräsident Donald Tusk setzte noch einen drauf: Der Brexit könne nicht nur der Beginn der Zerstörung der EU sein, sondern der gesamten politischen Zivilisation des Westens.

Der Gedanke ist aufschluss-, aber wenig hilfreich. Aufschlussreich, weil die dramatischen Worte einen Blick ins Seelenleben führender Europapolitiker erlauben. Die EU wartet nicht in selbstbewusster Gelassenheit auf das Urteil der Briten, vielmehr gelingt es kaum noch, die kollektiven Ängste in den Griff zu bekommen. Gerade in der maßlosen Übertreibung des von Tusk entworfenen Szenarios offenbart sich die sehr berechtigte Sorge darüber, was eigentlich passiert, wenn erstmals ein Mitgliedsland - noch dazu ein großes - der EU den Rücken kehrt.

Tusks Worte nützen daher nicht nur denen in Großbritannien, die der EU und ihren Befürwortern Panikmache vorwerfen. Sie schaden auch der EU. Für den Fall eines Brexits ist kühles Krisenmanagement gefragt. Auch Politiker können Angst haben. Nur zeigen sollten sie sie lieber nicht.

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