Außenminister-Mitschnitt "Keine verdammte Panik!"

Außenminister Boris Johnson vor dem Amtssitz von Premierministerin Theresa May in London.)

(Foto: Getty Images)
  • Boris Johnson plaudert im kleinen Kreis über den "Brexit", eine heimliche Aufnahme landet bei Buzzfeed.
  • Johnson warnt darin vor einem "Meltdown" - und lästert über das Finanzministerium.
  • Der 53-Jährige erklärt seine wachsende Bewunderung für Donald Trumps "Wahnsinn mit Methode".
Von Johannes Kuhn

Boris Johnson hat zwei Probleme. Den Brexit. Und heimliche Mitschnitte seiner Aussagen, die derzeit häufiger in der Öffentlichkeit auftauchen.

Ende Mai war eine Aufnahme eines russischen Komikerduos aufgetaucht, auf der Johnson zu hören ist. Ein Mann hatte sich am Telefon als armenischer Ministerpräsident ausgegeben und den britischen Außenmister dazu gebracht, recht offen über die britische Russland-Politik zu plaudern.

Nun hat die Nachrichtenseite Buzzfeed Aufnahmen und Zitate eines privaten Johnson-Auftritts vor 20 konservativen Parteimitgliedern veröffentlicht. Offenbar hatte jemand Johnsons Hinterzimmer-Auftritt vor der konservativen Aktivistengruppe Conservative Way Forward heimlich mitgeschnitten.

Der 53-Jährige plauderte laut Buzzfeed dabei offen über den Brexit. Er sprach von einem anstehenden "Moment der Wahrheit" und kündigte eine härtere Gangart in den Verhandlungen mit Brüssel an.

Dies könne auch in einem "Meltdown" gipfeln, womit er offenbar einen Zusammenbruch der Verhandlungen meint. "Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass es einen Zusammenbruch geben könnte, okay? Ich will nicht, dass jemand während eines Zusammenbruchs panisch wird. Keine Panik. Pro bono publico [zum Wohle der Öffentlichkeit, d. Red.] keine verdammte Panik! Am Ende wird alles gut."

"Stellt euch vor, Trump würde den Brexit machen"

Johnson kritisierte zudem das Finanzministerium seines Kabinettskollegen Philip Hammond, das "quasi das Herz von Remain" sei, also das Machtzentrum derjenigen, die gerne in der Europäischen Union bleiben wollten. Im Kabinett von Theresa May gibt es bereits seit langem Unstimmigkeit und Streit über die Verhandlungen. Johnson hatte bereits im Referendums-Wahlkampf einen Ausstieg befürwortet.

Die Sorge rund um die Lösung für die Grenze zwischen Irland und Nordirland bezeichnete er als "pures Millenium-Bug-Zeug", eine Anspielung auf die falsche Prophezeiung kurz vor der - rechnerisch falschen - Jahrtausendwende, dass am 1. Januar 2000 alle Computer zusammenbrechen.

Johnson erklärte zudem, dass er immer stärker Donald Trump bewundere. "Ich bin immer mehr davon überzeugt, dass hinter seinem Wahnsinn Methode steckt." Trump, zu dem May ein eher angespanntes Verhältnis hat, hätte womöglich auch den Brexit gut gelöst, so Johnson, offenbar leicht scherzend. "Stellt euch vor, Trump würde den Brexit machen. Er würde verdammt hart da rangehen ... alles Mögliche würde kollabieren, jedes mögliche Chaos ausbrechen. Alle würden glauben, dass er verrückt geworden ist. Aber womöglich würde man irgendwo hinkommen."

Dies sei "ein sehr, sehr guter Gedanke".