Protest gegen Parteichef Corbyn Sieben Abgeordnete verlassen die Labour-Partei

  • Sieben Labour-Abgeordnete treten aus der Partei aus.
  • Sie kritisieren vor allem den Brexit-Kurs und den Umgang mit antisemitischen Tendenzen in der größten Oppositionspartei.
  • Die Parlamentarier wollen künftig als "The Independent Group" auftreten.

Aus Protest gegen den Führungsstil des britischen Labour-Chefs Jeremy Corbyn sind sieben prominente Mitglieder aus der Partei ausgetreten. Sie werfen der Parteiführung vor, mit engen Denkmustern aktuellen Problemen nicht gerecht zu werden und kritisieren den Umgang mit antisemitischen Tendenzen in der größten Oppositionspartei.

Besonders hart dürfte Labour der Rücktritt des charismatischen Abgeordneten Chuka Umunna treffen. Er gilt als Jungstar seiner Partei und führt eine Gruppe an, die ein zweites Brexit-Referendum fordert. Umunna sagte bei einer Pressekonferenz der sieben Abtrünnigen in London, die der Guardian dokumentiert, dass die Parteien derzeit Teil des Problems seien und nicht die Lösung. Das Vereinigte Königreich brauche eine Partei, die "fit für hier und jetzt" sei und "Stammespolitik" hinter sich lasse.

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Sie könne nicht in einer Partei bleiben, die "institutionell antisemitisch" sei, sagte die Abgeordnete Luciana Berger. Die Führung der Partei habe dabei versagt, sich mit dem Hass gegen jüdische Menschen in ihren eigenen Reihen zu befassen. Sie lasse eine "Kultur des Bullying, der Scheinheiligkeit und der Einschüchterung" hinter sich.

Auch der Parlamentarier Mike Gapes kritisierte den Anstisemitismus in der Partei. Er warf der Parteiführung vor, den EU-Austritt des Landes zu erleichtern. Zudem stünden Jeremy Corbyn und sein Umfeld "bei so vielen internationalen Themen auf der falschen Seite, von Russland über Syrien bis zu Venezuela".

Chris Leslie kritisierte, dass die Partei, der sie einst beigetreten seien, zu dogmatisch sei. Wörtlich sprach er von einer "Maschinenpolitik der harten Linken", von der Labour gekapert worden sei. Er warf der Parteiführung vor, einer "engen und überholten Ideologie" anzuhängen. Für die Labour-Führung teile sich die Welt in Unterdrücker und Unterdrückte, dabei sei die moderne Welt tatsächlich doch sehr viel komplizierter.

Vorwürfe an Corbyn

Der Abgeordnete Gavin Shuker beklagte, dass die Parteien im Vereinigten Königreich unter einer völligen Abwesenheit von Führung litten - und das zu einer Zeit, wo das Land diese am meisten brauche. Die sieben Abgeordneten wollen künftig als "The Independent Group" im Parlament vertreten sein und richteten bereits einen eigenen Twitter-Account ein.

Parteichef Corbyn äußerte sich in einem Statement "enttäuscht" über den Austritt der Abgeordneten. Er bedauere, "dass diese Abgeordneten sich nicht in der Lage sehen, weiter für eine Labour-Politik zu arbeiten, die Millionen bei den letzten Wahlen inspiriert" habe. Corbyn betonte, dass Labour eine Politik "für die vielen, nicht für die wenigen" mache und für den Brexit einen "einigenden und glaubwürdigen Alternativplan" vorgelegt habe.

Dem britischen Guardian zufolge ist der Schritt der sieben Parlamentarier der spektakulärste Labour-Parteiaustritt, seit im Jahr 1981 die sogenannte "Gang of Four" die Partei gemeinsam verließ, um die Sozialdemokratische Partei zu gründen.

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