bedeckt München 30°

EU-Austritt:Längere Brexit-Übergangsphase vom Tisch

FILE PHOTO: British PM May meets German Chancellor Merkel to discuss Brexit in Berlin

Großbritannien ist Anfang des Jahres aus der EU ausgetreten.

(Foto: Hannibal Hanschke/REUTERS)

Großbritannien hat sein Nein zu einer Fristverlängerung bekräftigt, sagt der Vize-Präsident der EU-Kommission. "Nach meiner Einschätzung ist das definitiv das Ende der Debatte."

Die Verlängerung der Brexit-Übergangsphase über das Jahresende hinaus ist nach Einschätzung der EU-Kommission vom Tisch. Großbritannien habe in einer Sitzung des zuständigen Gremiums sein Nein zu einer Fristverlängerung bekräftigt, sagte Vizepräsident Maros Sefcovic. "Nach meiner Einschätzung ist das definitiv das Ende der Debatte."

Damit wächst der Druck, bis zum Jahresende ein Abkommen über die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU zuwege zu bringen. Großbritannien war Ende Januar aus der EU ausgetreten, bleibt aber in einer Übergangsphase noch im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. Großbritannien wendet sich seit Monaten strikt gegen eine Verlängerung der Frist. Gelingt in der Übergangsphase kein Abkommen, wird ein harter wirtschaftlicher Bruch mit Zöllen und anderen Handelshemmnissen erwartet.

"Die EU war immer offen für eine Verlängerung der Übergangsfrist," schrieb Chef-Unterhändler Michel Barnier auf Twitter. "Wir müssen nun inhaltliche Fortschritte machen. Um alle Möglichkeiten offen zu halten, haben wir uns darauf geeinigt, die Gespräche über die nächsten Wochen und Monate zu verstärken."

Sefcovic sagte, er selbst habe zwar betont, dass die EU für eine Verlängerung offen bleibe. Aber der britische Unterhändler Michael Gove hätte in seiner Ablehnung nicht deutlicher sein können, fügte Sefcovic hinzu. Gove habe dies damit begründet, dass den britischen Bürgern dies als Versprechen im Wahlkampf gegeben worden sei. Er habe die Haltung der britischen Regierung sehr, sehr deutlich gemacht.

Gove erklärte auf Twitter, er habe im Gespräch mit Sefcovic "förmlich bestätigt", dass Großbritannien die Übergangsphase nicht verlängern werde. "Wir werden am 1. Januar 2021 die Kontrolle zurückholen und unsere politische und ökonomische Unabhängigkeit wiedergewinnen", schrieb Gove.

Es war die letzte reguläre Sitzung des Gemeinsamen Ausschusses der Europäischen Union und Großbritanniens, bevor die Option zur Verlängerung Ende des Monats ausläuft. Möglich wären nach dem EU-Austrittsvertrag mit Großbritanniens eine einmalige Verlängerung um ein oder zwei Jahre. Die EU-Spitzen haben für Montag eine Videokonferenz mit dem britischen Premierminister Boris Johnson vereinbart, um eine Zwischenbilanz zu den Verhandlungen über ein Handels- und Partnerschaftsabkommen zu ziehen. Beide Seiten sind sich einig, dass bisher kaum etwas erreicht wurde.

© SZ/dpa/saul/hij

Krisenbewältigung
:Europa kämpft um seine Rolle in der Welt

US-Rückzug, Corona, China: Die EU wird von außen mächtig unter Druck gesetzt, nachdem sie in den vergangenen Jahren vor allem mit sich selbst beschäftigt war. Einige sehen darin die Chance, sich künftig international besser zu behaupten.

Von Matthias Kolb, Brüssel

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite