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Bremer Posse um Humoristen:Ein schöner Platz für Loriot

Ein Parkplatz? Eine Brücke? Oder doch eine Straße? In Bremen fühlen sie sich Loriot besonders verpflichtet. Kommunalpolitiker versuchen deshalb schon seit längerem, dem Humoristen ein Denkmal zu setzen. Allerdings gleicht die skurrile Suche nach einem geeigneten Platz inzwischen einer Posse.

Ralf Wiegand

Wer hätte je schöner beschrieben, was Politik bedeutet, als der parteilose Bundestagsabgeordnete Werner Bornheim? "Meine Damen und Herren", ließ Loriot ihn einst sagen, "Politik bedeutet, und davon sollte man ausgehen, das ist doch - ohne darum herumzureden - in Anbetracht der Situation, in der wir uns befinden." Eben, und so nimmt es nicht Wunder, dass diese Politik dem am 22. August verstorbenen Humoristen nun schon seit geraumer Zeit ein Denkmal zu setzen versucht. Um präzise zu sein, es ist die Politik in Bremen, wo man sich Bernhard-Victor von Bülow besonders verbunden fühlt. Einst stand in den Studios des Haussenders Radio Bremen dessen berühmtes grünes Sofa, von dem aus Loriot, stets ernst blickend, seine Sketche anzukündigen pflegte. Es muss also dort geradezu zwangsläufig ein Platz nach ihm benannt werden. Oder eine Brücke. Oder eine Straße. Oder sogar alles zusammen?

loriot Victor Buelow Bülow

Loriot selbst hätte wohl darüber schmunzeln können, wie übereifrig Bremer Kommunalpolitiker versuchen, ihm ein Denkmal zu setzen.

(Foto: reuters)

Inzwischen schreiben die lokalen Zeitungen schon vom "skurrilen Streit" um die angemessene Würdigung für Loriot. Dabei sollte der Streit im Prinzip längst entschieden sein, denn ein bis dato namenloser Parkplatz vor dem Radio-Bremen-Gebäude in der Innenstadt ist bereits auserkoren worden, an Loriot zu erinnern. Beschlossen hat das - in relativer Einsamkeit, dafür aber mit großer Eile - der Beirat Mitte, eine Stadtteil-Regierung. Die schmucklose Fläche sei "hinreichend würdig", heißt es, außerdem habe Loriot durchaus einen Sinn für das Kleine und Skurrile gehabt. Diese Logik haben die Kommunalpolitiker exklusiv: Die meisten Bremer lehnen den gewählten Ort laut einer Umfrage trotzdem ab. Nur Radio Bremen findet's toll.

Die Familie Loriots hat bisher noch niemand angehört

Weil aber die Kritik nicht verstummen will, schlägt lange nach dem hastig herbeigeführten Beiratsbeschluss die CDU jetzt einen Ideen-Wettbewerb vor, während Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) an einen runden Tisch denkt, bei dem auch mal die Familie Loriots gehört werden könnte. Die kam bisher noch gar nicht zu Wort. Der Betreiber des angeblichen Lieblingsbistros des Künstlers plädiert derweil für das Pflaster vor seinem Lokal, wo er sogar ein Knollennasenmännchen aufstellen lassen würde, während die Grünen für die Umbenennung einer der großen Weserbrücken werben. Die ausgeguckte Brücke erinnert zwar schon an den Bürgermeister Johann Smidt; da der jedoch vor gut 200 Jahren durch antijüdische Haltung aufgefallen ist, mochten ihn die Grünen eh nie leiden. Außerdem kann man von der Brücke aus das Radio-Bremen-Haus sehen.

Allerdings ist es das neue Gebäude von Radio Bremen, das da an der Weser liegt. Das alte Studio, in dem Loriot in den siebziger Jahren fürs Fernsehen drehte, lag im stadträndischen Ortsteil Osterholz und ist längst abgerissen. Dort wird ein Möbelhaus gebaut. Dennoch sucht auch der Beirat Osterholz auf seinem Terrain nach einem Platz für Loriot, in Kooperation mit jenem Möbelhaus. Und während man im Bremer Rathaus sachte mahnt, mehr als eine öffentliche Fläche könne selbst dem größten Loriot nicht gewidmet werden, macht auch der Stadtteil Huchting Pläne - für eine Loriot-Straße.

Das Schlusswort gebührt daher Loriot alias Werner Bornheim: "Hier und heute stellen sich Fragen, und ich glaube, Sie stimmen mit mir überein, wenn ich sage: Letzten Endes, wer wollte das bestreiten? Ich danke Ihnen."

© SZ vom 10.12.2011/ffu
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