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Brasilien:Drama um Dilma Rousseff

BESTPIX Embattled Brazilian President Dilma Rousseff Addresses Crowd In Brasilia

Vorhang auf zum letzten Akt: Dilma Rousseff am Dienstag in Brasília

(Foto: Mario Tama)

Im früheren Wirtschaftswunderland Brasilien wird Präsidentin Rousseff heute aller Voraussicht nach des Amtes enthoben. Wie konnte es so weit kommen? Eine Tragödie in fünf Akten.

Im Senatsgebäude der brasilianischen Hauptstadt Brasília beginnt in diesen Stunden die Debatte um die Amtsenthebung der Präsidentin Dilma Rousseff. Zehn Stunden Zeit haben sich die Senatoren für die Redeschlacht genommen - es ist der vorerst letzte Akt in einem politischen Drama, an dessen Ende wohl die Absetzung der Staatschefin für sechs Monate stehen wird. Bis dahin werden die Intrigen und Machtkämpfe in Brasilien andauern. Was bisher geschah:

Erster Akt - "Dilma, meine Königin, ich liebe Dich."

Am 1. Januar 2011 steht Dilma Rousseff auf dem Balkon des Palacio do Planalto, dem Präsidentenpalast von Brasilia. Die Menge zu ihren Füßen singt und klatscht, ein Mann reckt ein Schild in die Höhe: "Dilma, meine Königin, ich liebe Dich." Links neben Rousseff steht ihr Vorgänger und Mentor, Luiz Inácio Lula da Silva. Er überreicht ihr die Präsidentenschärpe, dann packt er ihren linken Arm zum gemeinsamen Jubel. Rechts neben der neuen brasilianischen Präsidentin steht Michel Temer, der Chef von Rousseffs wichtigstem Koalitionspartner PMDB, ein Partner - aber kein Freund, wie sich später noch zeigen wird. Ideologisch trennen Temer und Rousseff Welten. Temer zögert. Dann stimmt auch er in den Jubel ein. "Ich bin glücklich wie selten zuvor in meinem Leben", spricht die neue Präsidentin in das Mikrofon. Gemeinsam mit Temer wolle sie Lulas Politik der "herausragenden Transformationen" fortsetzen. In der Tat steht das Land nach acht Jahren unter der Präsidentschaft von Rousseffs politischem Ziehvater blendend da - die Wirtschaft wächst, Millionen Brasilianer steigen in die Mittelschicht auf, man freut sich auf die Fußballweltmeisterschaft und auf Olympia. Rousseff wird richtig liegen, auch in ihrer Präsidentschaft wird es Transformationen geben - aber sie werden für sie alles andere als "herausragend" sein.

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Zweiter Akt - Dunkle Wolken

Auf der Avenida Paulista im Zentrum São Paulos sammeln sich die Demonstranten. "Raus mit den KorruPTen!" steht auf einem Schild. Die Buchstaben PT sind groß geschrieben, denn so lautet das Kürzel von Rousseffs linksgerichteter Arbeiterpartei, dem Partido dos Trabalhadores. Es ist November 2014, Rousseff ist gerade als Präsidentin wiedergewählt worden, aber ihre zweite Präsidentschaft steht unter einem völlig anderen Stern. Wenige Monate zuvor haben Ermittler um den Bundesrichter Sergio Moro den Petrobras-Skandal öffentlich gemacht - ein gigantisches System aus Schmiergeldzahlungen um den halbstaatlichen Ölkonzern. Heute weiß man: Politiker nahezu aller Parteien sind in die Affäre verstrickt. Die Ermittlungen aber konzentrieren sich auf die Regierungspartei - Kritiker des leitenden Richters Moro werfen ihm eine Kampagne vor. Der Unmut im Volk wächst auch deswegen, weil sich eine wirtschaftliche Rezession breitgemacht hat - Menschen verlieren Jobs, Betriebe machen dicht.