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Brandenburg:Übergriffe in Asylheim - Rotes Kreuz in der Kritik

Frauen zeigen sexuelle Übergriffe und eine Vergewaltigung in einer Flüchtlingsunterkunft in Eisenhüttenstadt an. Doch die Heimleitung nimmt sie offenbar nicht ernst.

Von Jens Schneider, Berlin

In Brandenburg steht das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Betreiber der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt in der Kritik. Mitarbeiter des DRK sollen Klagen von Frauen über sexuelle Übergriffe und eine Vergewaltigung zunächst nicht ernst genommen haben. Nun ist einer der beiden Leiter der Einrichtung zurückgetreten. Er habe darum gebeten von seinem Amt als Objektleiter entbunden zu werden, teilte der DRK mit. Man werde für den betroffenen Standort "Unterschleuse" bei Eisenhüttenstadt einen externen Objektleiter einsetzen.

Zuvor war bekannt geworden, dass im Januar eine Asylbewerberin aus Kenia bei Betreuern vom DRK eine Vergewaltigung durch zwei männliche Asylbewerber anzeigen wollte, aber anfangs offenbar nicht ernst genommen wurde. Das sei erst am Tag darauf passiert, als sie andere Mitarbeiter des DRK um Hilfe gebeten habe, heißt es. Inzwischen ermittelt die Polizei. Zudem sollen Mitarbeiter des DRK mehreren Beschwerden von Frauen über Belästigungen und Übergriffe durch einen Übersetzer anfangs nicht entschieden nachgegangen sein. Der Mann soll über Monate Frauen, die ehren- oder hauptamtlich für das DRK in der Flüchtlingsbetreuung tätig waren, mit anzüglichen Bemerkungen belästigt und unsittlich berührt haben. Gegen ihn liegen Anzeigen vor. Er wurde mittlerweile suspendiert.

Der DRK-Landesverband Bandenburg hat ein Krisenteam eingesetzt, um die Vorgänge zu untersuchen. Sein Präsident, Frank-Walter Hülsenbeck, räumte ein, dass Fehler gemacht worden seien, und kündigte eine rückhaltlose Aufklärung auf. Er hätte sich gewünscht, dass der zuständige Mitarbeiter "sofort reagiert" hätte, sagte Hülsenbeck. Den Opfern wird dem DRK zufolge inzwischen psychologische Hilfe angeboten.

© SZ vom 09.02.2016
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