Brand in Flüchtlingsheim in Tröglitz Abscheu über die Tat

Politiker äußern ihr Entsetzen über den Brandanschlag in einer Asylbewerberunterkunft: Sachsens-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (2.v.l) und Innenminister Holger Stahlknecht (3.v.l./beide CDU).

(Foto: dpa)

Nach den bisherigen Erkenntnissen geht die Polizei davon aus, dass "ein oder mehrere Personen" in das Haus eingedrungen sind und den Brand verursacht haben. "Dabei wurde mit großer Wahrscheinlichkeit auch Brandbeschleuniger verwendet", heißt es in der Pressemitteilung.

Die Politiker, die sich am Samstag zu Wort melden, äußern ihre Abscheu über die Tat: "Ich bin tief betroffen und wütend, dass dieses Verbrechen stattgefunden hat", sagt Ministerpräsident Haseloff. "Wer Unterkünfte von Flüchtlingen anzündet, handelt feige und abscheulich", teilte Justizminister Heiko Maas (SPD) per Twitter mit. "Die Täter gehören hinter Schloss und Riegel. Menschen, die Schutz in Deutschland suchen, müssen hier friedlich und sicher leben können. Unsere Sicherheitsbehörden sind fest entschlossen, das hierfür Notwendige zu tun", sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Auch Familienministerin Manuela Schwesig äußerte sich zu der mutmaßlich rechtsextremen Tat. "Feiger Brandanschlag in Tröglitz macht wütend.", schreib sie auf Twitter.

Wichtiger als diese Reaktionen scheint für Nierth das, was in Tröglitz selbst passiert. Zum Beispiel bei der Bürgerversammlung am Mittwoch, bei der der Landrat über die Unterbringung der Flüchtlinge informierte. Etwa 500 Menschen waren da, auch ein paar lokale NPD-Aktivisten, die lautstark gegen die Asylbewerberunterkunft Stimmung machten. Andererseits kamen etwa 100 Unterschriften für eine Bürgerinitiative zusammen, die der Gemeindepfarrer Matthias Keilholz mitgegründet hat. Sie setzt sich dafür ein, dass die Flüchtlinge in Tröglitz herzlich aufgenommen werden.

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Trotzdem: Diejenigen Bürger, die für dieses herzliche Willkommen stehen, melden sich am Mittwoch nur selten zu Wort. Nierth hofft, wie er in dem TV-Interview sagt, dass sich diese "breite Mitte" bisher "vielleicht deshalb nicht geäußert hat, weil sie sich nicht so redegewandt fühlte" und nicht glaubte, dass es nötig ist, dass sie sich engagiert.

Am späten Nachmittag gab es auf dem Friedensplatz in Tröglitz eine Kundgebung - mit Gebet und Lichterkette. Es ist die Chance, dass passiert, was sich Nierth und Keilholz erhoffen. Dass die "breite Mehrheit" sich erhebt. Immerhin 300 Menschen beteiligten sich an der Demonstration für ein weltoffenes Tröglitz.