Mecklenburg-Vorpommern:Staatsschutz ermittelt wegen Brand in Flüchtlingsheim

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Mecklenburg-Vorpommern: Ein Löschfahrzeug steht in Groß Strömkendorf vor dem ausgebrannten Hotel, in dem Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht waren.

Ein Löschfahrzeug steht in Groß Strömkendorf vor dem ausgebrannten Hotel, in dem Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht waren.

(Foto: Annegret Hilse/Reuters)

Bei Wismar geht eine Unterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine in Flammen auf. Körperlich verletzt wird niemand, aber das Haus brennt vollständig aus. Politiker reagieren entsetzt und fordern rasche Aufklärung.

Von Iris Mayer, Leipzig

Nach dem Brand einer Unterkunft für ukrainische Geflüchtete in Groß Strömkendorf bei Wismar in Mecklenburg-Vorpommern vermutet die Polizei einen politischen Hintergrund. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen, teilte das Polizeipräsidium Rostock am Donnerstag mit. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) twitterte: "Eins muss für alle klar sein: Menschen, die vor Krieg flüchten, brauchen unseren Schutz und unsere Unterstützung. Hetze und Gewalt dulden wird nicht."

In dem früheren Hotel "Schäfereck" wohnten nach Angaben des Landkreises zuletzt 14 Geflüchtete aus der Ukraine, die von drei Mitarbeitern betreut wurden. Körperlich verletzt wurde bei dem Feuer am Mittwochabend niemand. Das reetgedeckte Haus brannte allerdings vollständig aus. Am Montag war der Polizei eine Hakenkreuz-Schmiererei im Eingangsbereich gemeldet worden.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) besuchte am Donnerstagabend den Brandort. "Wir wissen im Moment noch nicht, was der Hintergrund ist. Die Vermutung ist da, dass es sich um einen Brandanschlag handeln könnte", sagte die Ministerin. Sollte sich die Vermutung bestätigen, werde der Rechtsstaat mit allen Mitteln durchgreifen. "Die Tat muss verfolgt werden, es muss zu einer schnellen Anklage kommen und dann auch zu einer Verurteilung", sagte sie.

Faeser hatte bereits zuvor in Berlin gesagt: "Menschen, die vor Putins Krieg bei uns in Deutschland Schutz gefunden haben, mussten aus den Flammen gerettet werden", sagte sie in Berlin. Sie dankte den Einsatzkräften, dass sie alle Menschen aus dem Haus retten konnten. Es "ist ein großes Glück, dass alle unverletzt blieben", sagte Faeser.

"Man muss wieder einmal um die eigene Sicherheit bangen"

Andrej Bondartschuk, der Leiter der Flüchtlingsunterkunft, der selbst aus der Ukraine stammt, sagte dem Norddeutschen Rundfunk: "Ich finde das sehr erschreckend, dass man in dem Land ankommt, wo man in Sicherheit ist und geschützt und plötzlich muss man wieder einmal sein Heim verlassen. Man muss wieder einmal um die eigene Sicherheit bangen und diese Unsicherheit noch einmal erleben, die man schon mal erlebt hat." Bondartschuk hatte selbst noch versucht, das zunächst kleine Feuer zu löschen. Es griff allerdings rasch auf das Reetdach über.

Landrat Tino Schomann (CDU), Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr, hatte den Alarm um 21.20 Uhr selbst erhalten und fuhr direkt zum Brandort. "Für mich sah es nach Brandstiftung aus", sagte er dem NDR. Nun sollen Brandgutachter vor Ort ermitteln. Wann sie mit ihrer Arbeit beginnen können, hängt von der Standfestigkeit der Ruine ab. Die Flüchtlinge konnten vom Landkreis in anderen Unterkünften untergebracht werden.

Bürgermeister Tino Schmidt (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich bin erschrocken und verärgert." Bisher habe es in der Region keine Anzeichen für rechtsmotivierte Umtriebe gegeben. Man habe ein sehr gutes Verhältnis zu den Kriegsflüchtlingen. Zeitweise waren in dem Hotel bis zu 170 Menschen aus der Ukraine untergebracht. Im Sommer habe man zusammen mit den Flüchtlingen und dem DRK, das die Einrichtung betreut, noch ein fröhliches Sommerfest gefeiert.

Der evangelische Flüchtlingsbeauftragte und Berliner Bischof Christian Stäblein schrieb in einer Stellungnahme: "Wer Geflüchtete angreift, greift uns alle an." Die Menschen aus der Ukraine seien dem Schrecken des Krieges entkommen. "Bei uns suchen sie Schutz und Sicherheit. Dafür müssen wir einstehen." Auch der Vizepräsident des Polizeipräsidiums Rostock, Michael Peters, zeigte sich bestürzt. "Jeder Angriff auf Flüchtlinge oder deren Unterkünfte ist auch eine Attacke auf unsere Grundwerte. Ein solcher Angriff ist erschütternd und nicht hinnehmbar gleichermaßen", erklärte er. Die Ermittlungen zu dem Feuer hätten oberste Priorität. Den Sachschaden schätzt die Polizei nach ersten Ermittlungen auf eine höhere sechsstellige Summe.

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