Bosnien Schatten des Kriegs

Der Vielvölkerstaat kommt nicht zur Ruhe. Schuld sind die Nationalisten.

Von Peter Münch

In der Demokratie gelten Wahltage als die höchsten Feiertage, in Bosnien aber sind sie Trauertage. Denn noch bei jedem Wahlgang seit dem Kriegsende 1995 haben unter dem Strich die Nationalisten der drei Volksgruppen obsiegt, und auch am Sonntag war das nicht anders. Diese Nationalisten sorgen dafür, dass die finsteren Schatten der Vergangenheit nicht verblassen.

Grund für die Dominanz der alten Kräfte ist der Friedensvertrag von Dayton, der muslimische Bosniaken, Serben und Kroaten in eine dysfunktionale Staatsstruktur gedrängt hat. Um des Friedens willen wurden die im Krieg erkämpften Positionen bestätigt durch eine Zweiteilung des Landes in die bosniakisch-kroatische Föderation und die Republika Sprska. Der als Klammer gedachte Gesamtstaat hatte keine Chance gegen die Fliehkräfte.

Zur Behebung der Geburtsfehler wird immer wieder der Ruf nach einem "Dayton 2" laut. Die Idee ist gut und theoretisch zwingend, doch in der Praxis, 23 Jahre nach dem Krieg, kaum noch zu realisieren. Bosnien ist nicht mehr das Protektorat der Anfangsjahre, in dem die internationale Gemeinschaft den Lauf der Dinge bestimmen konnte. Die Bosnier müssten sich nun selbst aus dem Sumpf ziehen. Ein Anreiz könnte die Perspektive auf eine EU-Mitgliedschaft sein. Doch die ist noch in sehr weiter Ferne.