Sie war genau ein Jahr und vier Tage alt, hatte gerade angefangen zu laufen, als sie an der Hand ihrer Mutter durch Sarajevo ging. Es war der 8. Oktober 1993, und die Hauptstadt der jugoslawischen Teilrepublik Bosnien und Herzegowina war seit eineinhalb Jahren eingekesselt und belagert, von bosnisch-serbischen Kampftruppen und von Einheiten der jugoslawischen Volksarmee. Die Menschen in Sarajevo waren von der Versorgung mit Strom, Wasser und Lebensmitteln weitgehend abgeschnitten, und schon ein Gang zu Fuß durchs Zentrum konnte tödlich enden. Von Hügeln und aus Hochhäusern schossen Scharfschützen auf Zivilisten; der zentrale Boulevard bekam den Spitznamen „Sniper Alley“, Heckenschützen-Allee.
Bosnien-KriegZum Spaß Menschen abgeknallt?
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Schon lange gibt es Gerüchte, dass reiche, ausländische „Touristen“ während der Belagerung Sarajevos in den 1990er-Jahren auf Zivilisten geschossen haben. Aufgrund neuer Erkenntnisse will die italienische Justiz jetzt offenbar ermitteln.
Von Elisa Britzelmeier und Tobias Zick, Rom/München
