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Boris Palmer:Inakzeptabel

Der Grünen-Politiker sucht Aufmerksamkeit um jeden Preis.

Von Claudia Henzler

Boris Palmer nervt. Aus unerfindlichen Gründen hat sich der Oberbürgermeister Tübingens, der offiziell den Grünen angehört, einen Status als unterhaltsamer Tabubrecher erarbeitet, dessen Gedanken bundesweit Aufmerksamkeit geschenkt wird. Und er selbst gefällt sich wohl in der Rolle des Provokateurs.

Dazu gehört auch, eine Aussage in die Welt zu setzen und dann abzuschwächen. In einem Interview hat er eine Linie überschritten, obwohl er im Prinzip gesagt hat, was andere auch gesagt haben: dass der Shutdown anfangs richtig war, man die Maßnahmen aber jetzt abschwächen sollte. Genau diese Frage bestimmt ja die aktuelle Debatte: Wie kann man jetzt, da die Ausbreitung von Corona verlangsamt wurde, die Interessen abwägen?

Palmer aber sagte außerdem: "Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären." Damit impliziert er, dass ausschließlich Menschen an Covid-19 sterben, deren Lebensuhr in sechs Monaten ohnehin abgelaufen wäre, was nicht stimmt. Er erweckt außerdem den Eindruck, dass die Verbote eigentlich schon immer überflüssig waren. Vor allem aber legt er nahe, dass man für alte und kranke Menschen keinen Aufwand betreiben müsse, nach dem Motto: Die sterben ja eh bald. Das ist ethisch gesehen einfach nur: völlig daneben.

© SZ vom 29.04.2020
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