Bombenexplosion in Moskau "Russland wird die Terroristen vernichten"

Nach dem Anschlag auf eine Moskauer U-Bahn hat Präsident Putin erklärt, seine Regierung werde sich nicht unter Druck setzen lassen. Eine Selbstmordattentäterin hatte am Morgen 39 Menschen mit in den Tod gerissen.

Über die Hintergründe der Bluttat lagen zunächst keine Informationen vor.

Präsident Wladimir Putin schloss einen Zusammenhang mit der Präsidentenwahl am 14. März nicht aus. Seine Regierung werde sich aber nicht unter Druck setzen lassen. "Russland verhandelt nicht mit Terroristen, es vernichtet sie", sagte er im Fernsehen.

Er rief die internationale Gemeinschaft zu einem entschlossenen Kampf gegen den Terror auf, den er "die Pest des 21. Jahrhunderts" nannte. Weiter sagte Putin, wenn nach solchen Anschlägen Rufe nach Verhandlungen mit dem tschetschenischen Separatistenführer Aslan Maschadow laut würden, deute dies indirekt auf Kontakte Maschadows zu den Verantwortlichen hin.

"Jeglicher Kontakt" mit den Rebellen werde nur weitere Angriffe provozieren, warnte Putin. Maschadows Vertrauter Achmed Sakajew wies eine Verwicklung zurück und verurteilte den Anschlag.

Auch nach der russischen Parlamentswahl am 9. Dezember vergangenen Jahres hatte sich eine tscheteschenische Selbstmordattentäterin vor dem Hotel National in direkter Nähe des Kreml in die Luft gesprengt und fünf Menschen mit in den Tod gerissen. Tschetschenische Kämpfer hatten mehrfach Frauen, so genannte "Schwarze Witwen" für Selbstmordattentate eingesetzt.

Video mit der mutmaßlichen Attentäterin

Die Bombe detonierte im zweiten Wagen einer U-Bahn, nachdem der Zug die Station Awtosawodskaja im Südosten Moskaus verlassen hatte, wie Polizeisprecher Kirill Masurin dem Fernsehsender NTW sagte. Danach sei die Bahn noch ungefähr 500 Meter weiter gefahren. Die Bombe hatte offiziellen Angaben zufolge eine Sprengkraft von fünf Kilogramm TNT.

Der Sprengsatz sei in einem Rucksack oder Koffer versteckt gewesen, sagte der stellvertretende Moskauer Bürgermeister Waleri Schantsew. Die Nachrichtenagentur Interfax meldete unter Berufung auf Polizeikreise, eine Selbstmordattentäterin habe die Bombe gezündet.

Die Polizei habe ein Video, auf dem die mutmaßliche Attentäterin und ein Komplize kurz vor dem Besteigen des Zuges auf dem Bahnsteig zu sehen seien. Der Bundessicherheitsdienst (FSB) schloss nach einer Meldung der Agentur ITAR-Tass nicht aus, dass die Bombe beim Transport vorzeitig detoniert sei.

Eine Augenzeugin sagte dem Fernsehsender NTW, noch längere Zeit nach der Explosion sei es den Passagieren nicht möglich gewesen, die Türen der U-Bahn-Waggons zu öffnen. Nachdem die Türen endlich offen gewesen seien, sei sie eine lange Strecke durch den Tunnel gelaufen.

Die Passagiere wurden nach Angaben eines Sprechers des Ministeriums für Notfälle durch einen Tunnel zu einer mehrere hundert Meter entfernt gelegenen U-Bahn-Station in Sicherheit gebracht. Die Polizei sperrte nach dem Anschlag zwei U-Bahn-Stationen ab, die dem Explosionsort am nächsten lagen.

Vor der Station Awtosawodskaja fuhren zahlreiche Krankenwagen auf. Helfer mit leeren Tragen oder Rettungsgeräten rannten die Treppen hinunter. Die Verletzten wurden in Moskauer Krankenhäuser gebracht.

Die Nachrichtenagentur ITAR-Tass meldete unter Berufung auf Mitarbeiter der U-Bahn, mehr als 700 Menschen hätten aus dem mit Rauch gefüllten Tunnel in Sicherheit gebracht werden können. Die betroffene U-Bahn-Linie ist eine besonders tief unter der Erde verlaufende Strecke.

Schröder kondoliert Putin

Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach Präsident Putin die Anteilnahme und das Mitgefühl des deutschen Volkes aus. Der Kanzler habe ein Kondolenzschreiben gesandt, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Außenminister Joschka Fischer verurteilte den Anschlag auf das Schärfste. Auch die EU-Kommission in Brüssel verurteilte die Bluttat.

Ob der Anschlag, wie von tschetschenischen Extremisten ausgeführt wurde, ist unklar. Von den russischen Behörden wurden diese bereits mehrfach ohne schlüssige Beweise für nicht geklärte Explosionen verantwortlich gemacht. In der russischen Kaukasus-Republik kämpfen muslimische Extremisten für einen unabhängigen Staat und liefern sich mit russischen Truppen einen blutigen Bürgerkrieg. Beide Seiten werden schwerster Menschenrechtsverletzungen beschuldigt.