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Bombenanschlag in Athen:Tödliches Päckchen

Im Ministerium für Bürgerschutz wird ein verdächtiges Paket entdeckt. Beim Öffnen kommt es zur Explosion, ein Polizist stirbt. Die Detonation ereignet sich nur wenige Meter entfernt vom Büro von Minister Chrysochoidis, der als erfolgreicher Terroristenjäger gilt.

Kai Strittmatter

Bei einem Bombenanschlag auf das Ministerium für Bürgerschutz nahe des Athener Stadtzentrums ist am Donnerstag ein Polizist ums Leben gekommen. Ein weiterer Beamter wurde schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei hatten die beiden versucht, ein verdächtiges Päckchen zu öffnen, dabei explodierte eine darin enthaltene Sprengfalle. Die Explosion ereignete sich wenige Meter vom Büro des Bürgerschutzministers Michalis Chrysochoidis entfernt. Der Minister sei im Gebäude gewesen, aber nicht verletzt worden. Die Explosion war so stark, dass sie Fenster im gesamten Gebäude platzen ließ. Die Täter sind noch nicht bekannt, doch steckten hinter solchen Anschlägen in den vergangenen Jahren linksradikale Gruppen.

Ein Polizist steht vor dem Eingang des Ministeriums für Bürgerschutz in Athen, wo sich am Abend die Explosion ereignet hat.

(Foto: afp)

Die sozialistische Pasok-Regierung hat das ehemalige "Ministerium für Öffentliche Ordnung", zu dem die Polizei gehört, erst nach ihrem Amtsantritt im vergangenen Oktober umbenannt in "Ministerium für Bürgerschutz".

Minister Chrysochoidis ist ein erfahrener Mann. Er hatte schon 2003 die Zerschlagung der linken Terrorgruppe "17.November" beaufsichtigt und versprach nach seinem Amtsantritt als Erstes, die Polizei "demokratischer und bürgerfreundlicher zu machen". Anschläge linksextremer Gruppen auf Banken oder Ministerien sind häufig in Griechenland, doch hatten sie bis zu diesem Jahr lange keine Todesopfer mehr gefordert. Ende März dann starb in Athen ein 15-jähriger Afghane. Er stolperte offenbar über einen Mülleimer vor einem öffentlichen Gebäude, in dem eine Bombe deponiert war. "Für die Täter sind wir alle Feinde", hatte Minister Chrysochoidis damals gesagt. "Wir werden sie bald finden."

Tatsächlich ist Chrysochoidis ein erfolgreicher Terroristenjäger. Kurz vor Beginn der Olympischen Spiele in Athen 2004 war ihm und seinen Leuten die Zerschlagung des "17.November" gelungen, bis dahin die gefährlichste Terrorgruppe des Landes. Und nur kurz nach dem Tod des afghanischen Jungen im März konnte die griechische Polizei mit einem weiteren Coup aufwarten: Bei mehreren Razzien Anfang April fanden sie Waffen, Munition, Bargeld und nahmen fünf Männer und eine Frau fest, die offenbar dem Kern des "Revolutionären Kampfes" angehörten.

Diese Gruppe war erstmals 2003 aufgetaucht und versucht seither, dort anzuknüpfen, wo der "17. November" aufgehört hat. Sie legten Bomben vor Banken, Ministerien und der Athener Börse, bei denen es aber zu keinen Todesopfern kam. Die spektakulärste Aktion der Gruppe war ein Raketenangriff auf das Gebäude der amerikanischen Botschaft in Athen 2007. Die US-Regierung hatte danach eine Belohnung von einer Million US-Dollar für Hinweise auf die Täter ausgelobt.

Die Aktivitäten alter und neuer linksradikalen Gruppen haben seit Dezember 2008 wieder zugenommen. Damals hatte ein Polizist im linksalternativen Stadtteil Exarchia einen 15-jährigen Jungen erschossen, es kam zu gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen ganze Viertel Athens in Flammen standen. Exarchia ist auch die Heimat der linksautonomen Szene, dort werden viele Sympathisanten der Terrorgruppen vermutet.

Die unpopulären Sparmaßnahmen der Regierung haben die kriegerische Rhetorik in der Szene verschärft. Der Brandanschlag auf eine Bank in Athen am Rande einer Demonstration Anfang Mai, bei der drei Bankangestellte ums Leben kamen, wird Linksautonomen zugeschrieben.

© SZ vom 25.06.2010/dmo

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