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Steinmeier zur Bombardierung Dresdens:"Ich befürchte, diese Gefahren sind bis heute nicht gebannt"

Frank-Walter Steinmeier

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seiner Rede in Dresden.

(Foto: Ronny Hartmann/AFP)
  • Bundespräsident Steinmeier erinnert am 75. Jahrestag der Bombardierung Dresdens an die Opfer des Bombenkriegs - und an "das Leid, das Deutsche anderen zugefügt haben".
  • Er ruft dazu auf, für ein friedliches Zusammenleben und gegen Spaltung, Gewalt und Ausgrenzung einzustehen.
  • Außerdem bezieht er Stellung zur Ministerpräsidentenwahl in Thüringen: Wenn gewählte Abgeordnete die Parlamente, in denen sie sitzen, vorführten, sei das der Versuch, die Demokratie von innen zu zerstören.

Am 75. Jahrestag der Bombardierung Dresdens hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Gedenken an alle Opfer des Zweiten Weltkriegs aufgerufen und in seiner Rede einen Bogen ins Heute geschlagen. "Wenn wir an die Geschichte des Bombenkrieges in unserem Land erinnern, dann erinnern wir an beides: an das Leid der Menschen in deutschen Städten und an das Leid, das Deutsche anderen zugefügt haben", sagte er am Donnerstag bei der Gedenkveranstaltung im Dresdner Kulturpalast.

"Wir vergessen nicht. Es waren Deutsche, die diesen grausamen Krieg begonnen haben, und es waren schließlich Millionen Deutsche, die ihn führten - nicht alle, aber doch viele aus Überzeugung", betonte der Bundespräsident. Bei dem Angriff auf Dresden durch britische und US-Bomber am 13. und 14. Februar 1945 starben bis zu 25 000 Menschen. Große Teile des historischen Stadtkerns und angrenzender Wohnviertel wurden zerstört.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) rief dazu auf, für ein friedliches Miteinander und gegen Ausgrenzung einzustehen. "Es ist wichtig, dass wir uns erinnern, weil sich Geschichte dann nicht wiederholt, wenn wir sie kennen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen." Kretschmer wandte sich gegen Versuche, den Tag des Gedenkens für ideologische Zwecke zu missbrauchen. In der Vergangenheit fanden um den 13. Februar jährlich Märsche und Kundgebungen von Rechtsextremen statt. Auch für das Wochenende sind Demonstrationen geplant.

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Steinmeier erinnerte an die Zerstörung zahlreicher anderer Städte wie Rotterdam, Warschau und Coventry durch die deutsche Luftwaffe und warnte vor Relativierung: "Wer heute noch die Toten von Dresden gegen die Toten von Auschwitz aufrechnet; wer versucht, deutsches Unrecht kleinzureden; wer wider besseres Wissen historische Fakten verfälscht, dem müssen wir als Demokratinnen und Demokraten die Stirn bieten", forderte der Bundespräsident.

Wer jedoch das Leiden der Menschen, der Bombenopfer in dieser Stadt ignoriere oder bagatellisiere; wer die Bombardierung als gerechte Strafe hinstelle oder Gesten der Trauer ins Lächerliche ziehe, werde der Geschichte ebenfalls nicht gerecht und verhöhne die Opfer.

Die Bombardierung Dresdens erinnere auch an die Zerstörung der Demokratie in der Weimarer Republik; an nationalistische Selbstüberhebung und Menschenverachtung; an Antisemitismus und Rassenwahn. "Ich befürchte, diese Gefahren sind bis heute nicht gebannt", sagte Steinmeier und nahm Bezug auf die zurückliegende Ministerpräsidentenwahl in Thüringen: "Wenn gewählte Abgeordnete heute die Parlamente, in denen sie sitzen, vorführen und lächerlich machen, dann ist das der Versuch, die Demokratie von innen zu zerstören."

Es sei stets Aufgabe aller, Hass und Hetze zurückzuweisen und demokratische Institutionen zu schützen. Am frühen Abend reihte Steinmeier sich in eine Menschenkette um die Altstadt ein. Seit 2010 wollen die Dresdner so ein Zeichen setzen für Versöhnung und gegen die Vereinnahmung durch Rechtsextreme.

© SZ vom 14.02.2020/gal
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