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Bolivien:Morales muss um Wiederwahl bangen

Der erste indigene Präsident Südamerikas tritt für eine vierte Amtszeit an. Umfragen zufolge könnte es diesmal so knapp werden wie noch nie in seiner Laufbahn.

Mehr als sieben Millionen Bolivianer waren am Sonntag aufgerufen, ihren Präsidenten neu zu wählen. Präsident Evo Morales tritt für eine vierte Amtszeit an. Umfragen zufolge könnte es für den 59-jährigen Linkspolitiker diesmal so knapp werden wie noch nie in seiner Laufbahn. Er dürfte demnach zwar die erste Runde für sich entscheiden, aber die absolute Mehrheit verfehlen. Damit müsste er im Dezember in eine Stichwahl, wo er gegen die vereinte Opposition durchaus schlagbar erscheint. Auch die 166 Abgeordneten des Kongresses wurden neu gewählt.

Als Morales' schärfster Konkurrent gilt der ehemalige Präsident Carlos Mesa. Er war zunächst Vizepräsident und 2003 nach dem Rücktritt seines Vorgängers Staatschef geworden. Nach von Morales angeführten Protesten trat er 2005 zurück, kurz darauf gewann Morales die Wahl. Als erster indigener Präsident Südamerikas nutzte er die Einkünfte des Landes aus Bodenschätzen, um die Massen am Reichtum zu beteiligen und Millionen Menschen aus der Armut zu holen. Das Wirtschaftswachstum lag im Jahresdurchschnitt über 4,5 Prozent und deutlich über dem regionalen Durchschnitt. Außerdem setzte er sich für die Gleichberechtigung der Indigenen ein.

Trotz dieser Erfolge gibt es selbst unter indigenen Gruppen Kritik an Morales, unter anderem wegen Korruption in seiner Regierung. Dass der am längsten regierende Staatschef Südamerikas überhaupt noch einmal antreten konnte, hat er dem Obersten Gericht zu verdanken. 2016 entschied ein Referendum, die Amtszeit des Präsidenten zu begrenzen. Doch die Obersten Richter entschieden, das verstoße gegen Morales' Rechte als Bürger. In einer Umfrage von Anfang Oktober lag er fünf Prozentpunkte vor Mesa. Bei einer Stichwahl lägen beide demnach gleichauf. Bei der Kongresswahl dürfte keine Partei die absolute Mehrheit erreichen.