US-Präsidentschaft:Eine Gefahr mit Namen Trump

Lesezeit: 2 min

US-Präsidentschaft: Der Gehörnte im Kapitol: Der 6. Januar 2021 wird sich ins Gedächtnis aller Amerikaner einbrennen.

Der Gehörnte im Kapitol: Der 6. Januar 2021 wird sich ins Gedächtnis aller Amerikaner einbrennen.

(Foto: Manuel Balce Ceneta/dpa)

Bob Woodwards drittes Buch über Donald Trump erscheint auf Deutsch. Aus vielerlei Gründen lässt der Abschluss der Trilogie die Leser ratlos zurück und verliert sich in einer Fülle von Details.

Von Matthias Kolb, Brüssel

Für Donald Trump war es ein Ritterschlag, als er Ende März 2016 von Bob Woodward interviewt wurde. Über acht US-Präsidenten hatte die Reporterlegende der Washington Post bereits Bücher geschrieben, und damals lag Außenseiter Trump im Vorwahlkampf der Republikaner vorne. Legendär ist das Interview wegen einer Aussage Trumps: "Echte Macht ist - ich möchte dieses Wort eigentlich gar nicht benutzen - Furcht." Damit hatte der heute 78-jährige Woodward Leitmotiv und Titel seines ersten Trump-Buches gefunden: "Furcht" beschrieb im Herbst 2018 das Chaos im Weißen Haus. Nach "Wut", das sich mit Trumps erratischem Agieren in der Pandemie befasste, bildet "Gefahr" - das an diesem Montag auf Deutsch erscheint - nun das vorläufige Ende von Woodwards Trump-Büchern.

US-Präsidentschaft: Bob Woodward, Robert Costa: Gefahr. Die amerikanische Demokratie in der Krise. Übersetzt von K. Petersen, H.-P. Remmler, H. Schlatterer, S. Schmid und T. Stauder. Hanser-Verlag, München 2022. 560 Seiten, 26 Euro.

Bob Woodward, Robert Costa: Gefahr. Die amerikanische Demokratie in der Krise. Übersetzt von K. Petersen, H.-P. Remmler, H. Schlatterer, S. Schmid und T. Stauder. Hanser-Verlag, München 2022. 560 Seiten, 26 Euro.

Dass viele Leserinnen und Leser nach der Lektüre verstört, ratlos und womöglich verärgert zurückbleiben dürften, hat mehrere Gründe. In den USA erschien das Buch im September, die brisanteste Nachricht ist bekannt: General Mark Milley, der oberste Soldat der USA, tat alles, um zu verhindern, dass Trumps Verhalten zum Krieg mit China führen könne. Zweimal telefonierte der Chef des Vereinigten Generalstabs der US-Streitkräfte mit seinem besorgten Gegenüber in Peking und versicherte, dass die USA keinen Angriff planen würden - zuletzt nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar.

Die Kapitel über diesen dunklen Tag, und wie Trump es weiter ablehnt, seine Niederlage gegen Joe Biden einzugestehen, sind nicht nur wegen der guten szenischen Beschreibung verstörend. Trump bleibt, da sind sich Woodward und sein Mitautor Robert Costa sicher, eine Gefahr, weil er 2024 wieder antreten und die Lüge des angeblichen Wahlbetrugs zum Thema machen würde. Der Untertitel "Die amerikanische Demokratie in der Krise" ist zwar eine korrekte Beschreibung der Gegenwart, aber leider bietet das Buch zu wenig Einordnung.

Chronik der ersten Biden-Monate

"Viele Hundert Stunden Interviews mit mehr als 200 Personen" bilden die Basis für die Autoren, doch diese Fülle führt zum Eindruck der Ratlosigkeit. Über Dutzende Seiten wird nochmals der Wahlkampf von Joe Biden nachgezeichnet und mündet dann in das Chaos der Übergangszeit zwischen Wahltag und Amtseinführung. "Gefahr" wird plötzlich zur Chronik der ersten Monate des aktuellen Präsidenten. Natürlich ist es weiter aufschlussreich, zu lesen, wie der Demokrat Biden mit Senator Joe Manchin aus West Virginia ringt, der ihm so oft die nötige Mehrheit raubt - und sich gern in einem Geheimbüro versteckt, damit seine Parteifreunde ihn nicht finden können. Doch Anekdoten scheinen stets wichtiger zu sein als Analyse.

Das Buch endet mit Bidens Gipfel mit Russlands Präsident Wladimir Putin im Juni 2021 und dem Zitat des Amerikaners, wonach Diplomatie immer etwas Persönliches sei und "man am Ende ein persönliches Verhältnis" aufbauen müsse. Angesichts der Lage rund um die Ukraine macht dieser Satz wenig Hoffnung - allerdings will man sich nicht vorstellen, was aktuell los wäre, wenn Trump im Weißen Haus sitzen würde.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusUSA
:Warum Joe Biden so unbeliebt ist

Nach einem Jahr im Amt kann der US-Präsident wirtschaftspolitische Erfolge vorweisen wie kein Vorgänger in den vergangenen 45 Jahren. Trotzdem ist er unglaublich unpopulär. Wie kann das sein?

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB