BND:Lang geübtes Spiel

Der Missbrauch von Schlüssel-wörtern ist ein Skandal.

Von Hans Leyendecker

Amerikaner haben schöne Begriffe für das wirkliche Leben. Sie sprechen vom "chicken game", wenn der eine kalt geradeaus schaut, während der andere ständig blinzelt und schüchtern wegguckt. Der andere hat verloren, er ist das Huhn. Die US-Geheimdienste spielen mit den Deutschen schon lange das "chicken game". Die Grundregel lautet hier, dass die US-Dienste alles dürfen, auch illegales Zeug, und die Deutschen tun besorgt.

Es ist schon nicht normal gewesen, wie die Bundesregierung letztendlich doch darüber hinwegging, dass das Handy der Kanzlerin von amerikanischen Diensten abgehört worden war. Es war kriminell, dass die CIA einen BND-Mitarbeiter als Spion anwarb und es ist ein Verbrechen, dass von Ramstein aus der Drohnenkrieg der USA gesteuert wird. Und immer ist die Bundesregierung nur das Chicken.

In dem neuen Skandal - dem mit den Selektoren - gibt man sich in Berlin empört. Wer hätte das gedacht? Die Amerikaner spionieren Europa aus. Ungeheuerlich. Der BND hilft oder lässt zumindest das Spionieren zu: Skandal! Da mag man schon das Lob des Huhns anstimmen, das zumindest nicht gackert, wenn alle anderen so aufgeregt tun. Natürlich ist das, was da passiert ist, eine Ungeheuerlichkeit. Egal ob 40 000 Schlüsselwörter oder 2000 missbraucht wurden. Ein Rücktritt des BND-Präsidenten wäre auch fällig. Aber würde das was ändern?

© SZ vom 24.04.2015 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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