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BND-Chef:Der Mann, der den BND reformieren soll

In Berlin wird getuschelt, Bruno Kahl habe vom BND keine Ahnung. Das mag stimmen. Aber er bringt viele Gaben mit, die einen Geheimdienstchef zieren.

Manche sagen zu einem wie ihm "Adlatus". Das heißt so viel wie Gehilfe; das Wort wird manchmal ein wenig despektierlich gebraucht. Aber ein Dr. jur. Aktentaschenträger für Wolfgang Schäuble, den Minister, war er nicht. Bruno Kahl war sehr viel mehr.

BND Wie Schäuble gegen die BND-Reform kämpft
Geplantes BND-Gesetz

Wie Schäuble gegen die BND-Reform kämpft

Der Auslandsgeheimdienst muss reformiert werden, da ist man sich in der Koalition weitgehend einig. Nur einer hat offenbar eigene Vorstellungen.   Von Hans Leyendecker und Georg Mascolo

Er war, schier ewig, Schäubles Berater und Interpret, auf juristischem, politischem und publizistischem Gebiet. Bruno Kahl hat, als Leiter der diversen Pressestellen Schäubles und als Leiter der ministeriellen Planungsstäbe, ganz selbstverständlich vermocht, nur das Beste von seinem und über seinen Chef zu denken. Schäuble war und ist für Kahl eine Art Übervater. Schäuble ist einer, für den der knapp 54-Jährige fast von Beginn seines Berufslebens an aus innerster Überzeugung gearbeitet hat.

Die Bezeichnung "Ministerminister" trifft Kahls Rolle wohl am besten

Minister bedeutet Diener, oberster Diener des Staates. Wenn man für Kahl eine passende Berufsbezeichnung sucht, abseits der Besoldungsstufen und Laufbahnbezeichnungen, dann trifft es der Titel "Ministerminister" am besten. Bruno Kahl, geboren in Essen, juristisches Studium in Bonn und Lausanne, war der Ministerminister des Bundesinnenministers und des Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble.

Das qualifiziert ihn natürlich nicht unbedingt zum Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes; andere Gaben tun das vielleicht schon: Er gilt als Mann eines sehr fairen Führungsstils, als einer, der zu motivieren versteht, als einer, der - so ein früherer enger Mitarbeiter - "eine positive Art hat, die Dinge nach vorn zu bringen". Das ist es, was Kanzleramtsminister Peter Altmaier (auch ein Schäuble-Jünger) in den Zeiten des Umzugs und Umbaus des BND braucht. Phänotypisch kommt der neue BND-Präsident Kahl dem Kanzleramtschef ohnehin eher entgegen als der hagere bisherige BND-Chef Gerhard Schindler.

Kahl kennt die politische Szene genau

Bruno Kahl hat in Berlin mit den Geheimdiensten nicht viel zu tun gehabt. Aber er kennt die politische Szenerie bis in alle Ecken. Er hat etwas gelernt, was bei der Leitung einer umstrittenen Geheimdienstbehörde mit einem Personal von 6500 Leuten nicht ganz unwichtig ist: Er ist ein sensibler Organisator. Als nach dem Ende der rot-grünen Koalition 2005 das Innenministerium Otto Schilys (SPD) in das Innenministerium Wolfgang Schäubles (CDU) umgemodelt wurde, hat Kahl die Schily-Leute in den Leitungsstäben nicht niedergemacht, sondern ordentlich behandelt.

Seine Spezialität ist nicht der Fußtritt, es ist der anständige Umgang. Die Gabe des höflich-resoluten Ausgleichens wird er beim Bundesnachrichtendienst brauchen, der als Schlangengrube und Skandaltruppe zugleich gilt.