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Bloggerin kämpft für Meinungsfreiheit in Ägypten:Liberale fürchten wegen Nacktfotos um ihren Ruf

Elmahdys Antwort: "Ich trete auf niemanden. Ich trete auf ein Stück Stoff, dass die Versklavung von Frauen repräsentiert." Sie wende sich gegen die Gesellschaft, die auf "Gewalt, Rassismus, sexueller Belästigung und Heuchelei" aufgebaut sei. Laut ihres Profils bei Twitter sieht sich Elmahdy als "säkulare, liberale, feministische, vegetarische, individualistische Ägypterin". Außerdem ist sie nach eigenen Angaben seit ihrem sechzehnten Lebensjahr Atheistin.

Wer sich so outet, begeht gesellschaftlichen Suizid. Auf Atheismus oder den "Abfall vom Glauben" steht im Islam die Todesstrafe. Säkular und liberal sind für die Konservativen Reizworte, Feminismus sowieso. Vegetarier ist man allenfalls, weil man sich kein Fleisch leisten kann. Und vor dem Individualismus stehen in Ägypten traditionell der starke Bezug zur Familie und zur Gemeinschaft. Elmahdy aber schreibt: "Meine Familie hat kein Anrecht auf meinen Körper oder meine Handlungen."

Nackt sei nicht gleich frei, heißt es immer wieder

Die Reaktionen sind zwiespältig. Während viele Kommentatoren im Internet den Mut der Aktivistin bewundern, halten andere die Identität der Frau für eine Fälschung. Andere verachten Elmahdy und werfen ihr vor, bloß süchtig nach Aufmerksamkeit zu sein.

Sich so zu zeigen, sei kein Zeichen für Mut, sondern für fehlende Bescheidenheit, schreibt Twitter-Userin @reemAwad. Nackt sei nicht gleich frei, heißt es immer wieder. User @Elna7as_pasha schreibt: "Sollte sie so auf die Straße gehen, würde ich das als Einschränkung meiner eigenen Freiheit sehen."

Einige fürchten gar, Elmahdys Nacktbilder gefährdeten den Ruf der Liberalen. Sie liefere Islamisten genügend Material, um den Ruf der liberalen Aktivisten zu schädigen. Wenn das Nacktsein Liberalismus bedeute, würden sich viele von liberalen Ideen abwenden, zitiert die Online-Zeitung Bikyamasr einen Aktivisten. Der Trend zum Konservativen werde sich verstärken.

Kopftücher auch für Männer!

Elmahdy schreckt das nicht ab. Und sie ist nicht allein. In ihrem Blog hat sie auch ein Foto eines nackten Mannes hochgeladen. Bei Facebook forderte sie Männer dazu auf, wie Frauen Kopftücher zu tragen, um Solidarität mit diesen zu zeigen. Nach dem Motto: Gleiche Rechte und Pflichten für alle.

Eine neu gegründete Facebook-Gruppe fordert mehr Rechte für Homosexuelle in Ägypten. Ihr sind schon mehr als 1300 Mitglieder beigetreten - wenn auch teils nur deshalb, um Hasstiraden gegen Schwule und Lesben veröffentlichen zu können. Die Initiatoren haben angekündigt, am 1. Januar den Tahrir-Platz in Kairo besetzen zu wollen, der als Symbol für die Befreiung vom Mubarak-Regime gilt.

Sie fordern das Gleiche wie Aliaa Magda Elmahdy: Freiheit und Selbstbestimmung