Björn Höcke Die AfD will im Gespräch bleiben - um jeden Preis

Der Thüringer AfD-Landesvorsitzenden und Chef der Landtagsfraktion, Björn Höcke.

(Foto: dpa)

Die Rede von Björn Höcke zeigt: Im Fach Perfidie ist er perfekt. Es ist der Kurs eines Mannes, der die Demokratie verachtet.

Kommentar von Detlef Esslinger

Gut möglich, dass sich Björn Höcke freut über die Empörung, die er ausgelöst hat. Gut möglich, dass auch die distanzierenden Äußerungen, die am Mittwoch aus der eigenen Partei fielen, so distanzierend gar nicht gemeint waren.

Die AfD gibt sich ja mitunter weniger als Partei, sondern als Event-Agentur: Sie sperrt Journalisten aus. Sie kündigt eine Tagung im Hambacher Schloss an, dem Symbol der deutschen Demokratie. Sie fordert, Geflüchtete auf eine Insel zu expedieren. Ein ums andere Mal hat der Trick geklappt. Indem es zum Beispiel neulich viele Kommentare und TV-Beiträge zur Aussperrung der Medien vom baden-württembergischen AfD-Parteitag gab, erreichte die Partei dafür eine Aufmerksamkeit, die sie sonst nie bekommen hätte. Für die AfD ist nicht wichtig, was man über sie spricht. Für sie ist wichtig, dass man über sie spricht. Es ist ihre Dauerpräsenz, weshalb sie in Umfragen nun bei 15 Prozent liegt.

Einen Funktionär wie Björn Höcke kann man gar nicht missverstehen

Die Rede, die Björn Höcke, der Chef der Thüringer AfD, am Dienstagabend in Dresden gehalten hat, ist zum einen ein weiterer Fall von Event-Management. Zum anderen aber offenbart sie so eindeutig wie nur sehr selten das Wesen von prägenden Teilen der Partei. Höcke hat das Berliner Holocaust-Denkmal ein "Denkmal der Schande" genannt, und es ging ihm überhaupt nicht darum, sein Publikum auf diese Weise zu lehren, welche Schande der Holocaust war (wie er am Tag darauf weismachen wollte). Die Rede ist bei Youtube abrufbar. Beim "Denkmal der Schande" ist Höcke in Minute 41 angekommen. Er fährt fort: Statt die nachwachsenden Generationen mit "unseren" großen Philosophen, Entdeckern und Musikern in Berührung zu bringen, werde "die deutsche Geschichte mies und lächerlich gemacht".

Genau das ist der Unterschied zu Martin Walsers Paulskirchen-Rede von 1998, in deren Kontinuität Höcke sich stellt. Walser erkannte damals "unsere unvergängliche Schande" wenigstens an, bevor er gegen die Erinnerungskultur polemisierte. Höcke hingegen überließ in Minute 41 seinem Publikum die Interpretation, was er mit "Denkmal der Schande" gemeint haben könnte. Im Fach Perfidie ist er perfekt.

Das Problem an der AfD sind nicht Konservative, die eine neue Heimat suchen. Es sind auch nicht die Engherzigen, die meinen, Griechen und Geflüchtete könnten ihnen etwas wegnehmen. Ängste und Sorgen sind diskutabel. Das Problem ist: Die AfD gebiert Funktionäre, die mit der von ihnen verachteten Demokratie spielen. Höcke bezeichnete seine Thüringer AfD in Dresden als "fundamentaloppositionelle Bewegungspartei". Man kann ihn gar nicht missverstehen. Und auch nicht seinen vorgeblichen Rivalen Pretzell, den AfD-Chef von Nordrhein-Westfalen. Dem gelang es am Mittwoch nicht, die Schuld für Höcke bei Höcke zu sehen. Weil Höcke ein in NRW geborener und gelernter Geschichtslehrer ist, sage das "viel über unser NRW-Bildungssystem aus" - so hört es sich an, wenn ein AfD-Mann zum anderen auf Distanz geht. Das ist nicht bloß Event-Management. Das sind Kursangaben.

Alternative für Deutschland AfD-Spitze distanziert sich von Höcke
Petry und Pretzell

AfD-Spitze distanziert sich von Höcke

Der Thüringer AfD-Vorsitzende empört mit Kritik am Holocaust-Gedenken. Frauke Petry erklärt ihn nun zu einer "zunehmenden Belastung für die Partei".