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Bismarck-Anekdoten:"Seltsam, wie der Kaviar sättigt"

Vom wilden Studentenleben bis zum Schaumweintrinken mit dem Kaiser: Das Leben des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck hat jenseits aller politischen Urteile einen gewissen Unterhaltungswert.

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Otto von Bismarck, 1834

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Mit 17 beginnt Bismarck in Göttingen sein Jurastudium. Statt in Vorlesungen zu gehen, vergnügt er sich lieber auf Trinkgelagen, trägt extravagante gelbe Anzüge, macht Schulden und soll in drei Semestern 25 Duelle gefochten haben. Sein ausschweifendes Studentenleben bringt ihm den Ruf des "tollen Junkers" ein.

Im Bild: Bismarck 1834 als 19-jähriger Student.

Otto von Bismarck und seine Frau Johanna, 1849

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Wegen dieses Rufes als "toller Junker" muss er seine Schwiegereltern in spe erst von seiner Tugendhaftigkeit überzeugen, bevor er ihre Tochter Johanna von Puttkamer heiraten darf. Sein künftiger Schwiegervater soll bei der ersten Anfrage ausgerufen haben: "Es ist mir wie einem Ochsen, den der Fleischer mit dem Beil vor den Kopf schlägt!" Johanna bleibt ihrem Mann zeitlebens treu ergeben, und auch Otto hängt offenbar sehr an ihr.

Im Bild: Der 34-jährige Otto von Bismarck und seine neun Jahre jüngere Frau Johanna 1849, zwei Jahre nach ihrer Heirat.

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Quelle: Oliver Das Gupta

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Seine Rolle bei der Gründung eines vereinigten Deutschen Reiches macht Bismarck zum Reichskanzler, zum Fürsten - und zum Nationalhelden. Der Besitzer einer Fischkonservenfabrik in Stralsund erkennt das enorme Marketingpotenzial, schickt Bismarck eines seiner Produkte und fragt an, ob er es mit dem Namen des Reichskanzlers versehen dürfe. Er darf: Der Bismarck-Hering ist geboren. Allerdings fing Bismarck nach eigener Auskunft erst 1883 an, Heringe zu essen - dann aber angeblich 1000 Stück in fünf Jahren.

Im Bild: Otto von Bismarck als Ministerpräsident von Preußen und Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes 1871 im Kreise seines Stabes in Versailles, wo er mit den süddeutschen Staaten über die Reichseinigung verhandelte.

Otto von Bismarck

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Nach dem Deutschen Krieg 1866, in dem Preußen den Deutschen Bund in der Schlacht bei Königgrätz besiegt hatte, ist der militärisch unbeteiligte Ministerpräsident Bismarck eine Person des öffentlichen Interesses. Als er bei einem Gutsbesitzer in einem Zimmer ohne Vorhänge übernachtet, steht abends um zehn eine dichtgedrängte Menschenmenge vor seinem Fenster. "Ich begann mich langsam auszuziehen, in der Erwartung, dass man sich nun zurückziehen werde. Aber nicht im geringsten! Ich schreite in meiner Nachttoilette weiter und stehe jetzt vor dem kritischen Augenblick, mein Hemd mir über den Kopf ziehen zu müssen. Aber die Leute wankten und wichen nicht. [...] Ich mache eine kleine Kunstpause in der Erwartung, dass wenigstens die Damen sich zurückziehen werden. Als mich dann aber ein schielender Blick aus dem Fenster belehrte, dass man die Frist unbenutzt gelassen hatte, zog ich in Gottes Namen mein Hemd über den Kopf. Noch waren die Gesichter dicht ans Fenster gepresst, als ich nach meiner Lektüre im Bett das Licht löschte."

Im Bild: Otto von Bismarck um 1865.

Otto von Bismarck, 1883

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Seit 1871 ist Bismarck Fürst und Reichskanzler. Einmal wird ihm ein Strafantrag wegen Beleidigung vorgelegt, den er unterschreiben soll. Ein Betrunkener habe, steht darauf, gesagt: "Der Bismarck kann mich am Arsch lecken!" Statt zu unterzeichnen, schreibt Bismarck quer über das Papier: "Er mich auch!"

Im Bild: Otto von Bismarck 1883 mit Eisernem Kreuz an der Uniform.

Otto von Bismarck

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In den 1870er Jahren sind die sanitären Einrichtungen noch etwas rudimentärer als heutzutage. Bismarck stellt vor einer längeren Besprechung Christoph von Tiedemann und Heinrich von Sybel sein Schlafzimmer zur Verfügung, damit sie sich erleichtern können. Tiedemann berichtet: "Wir treten dort ein und finden unter einem Riesenbett die Gegenstände, die wir suchen, in zwei Exemplaren von geradezu phänomenalen Dimensionen. Als wir uns an die Wand stellen, sagt Sybel so recht aus tiefstem Herzen: 'Es ist doch alles groß an dem Mann, selbst die Scheiße!'"

Im Bild: Otto von Bismarck mit wehendem Haarbusch auf dem Helm, um 1885.

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Auf dem Berliner Kongress 1878, auf dem es um eine Friedensordnung für Südosteuropa ging, erscheint Bismarck mit seiner riesigen Dogge Tyras. Der britische Premier Disraeli berichtet: "Am Vormittag hatte sich Fürst Gortschakow, ein verwelkter Greis, auf den Arm seines riesigen Rivalen, des Fürsten Bismarck, gestützt, als dieser einen plötzlichen Rheumaanfall erlitt und beide zu Boden stürzten, worauf der Hund [...], als er sah, dass sein Herr offenbar mit einem Gegner kämpfte, zu seiner Rettung herbeisprang." Nur durch Bismarcks "tatkräftige Anstrengungen" sei es gelungen, den Hund daran zu hindern, den russischen Fürsten zu beißen.

Im Bild: Bismarck 1887 in seinem Arbeitszimmer in Friedrichsruh. Im Vordergrund sein "Reichshund" Tyras I.

Otto von Bismarck

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Christoph von Tiedemann, der fünf Jahre lang als Sekretär für Bismarck arbeitet, berichtet: "Gegessen wird hier nach wie vor, dass die Wände krachen. [...] Um neun [wird] aufgestanden und um zehn Uhr gefrühstückt: Roastbeef oder Beefsteak mit Kartoffeln, kalter Wildbraten, Krammetsvögel, aufgebratener Pudding usw." Viele weitere Anekdoten zeugen von den unglaublichen Mengen Essen, die Bismarck vertilgte. "Seltsam, wie der Kaviar sättigt", soll er einmal erstaunt gesagt haben, worauf sein Arzt erwiderte: "Wenn Sie gleich ein halbes Pfund davon essen, dürfen Sie sich nicht darüber wundern."

Im Bild: Bismarck lässt sich um 1894 in der Kleidung eines einfachen Bauern porträtieren.

Otto von Bismarck, 1895

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Der damalige britische Premierminister Benjamin Disraeli schrieb nach einer Begegnung: "Bismarck überragt alle: Er ist 1,93 Meter groß, würde ich sagen, dementsprechend stämmig, hat eine weiche, leise Stimme und eine besonders deutliche Aussprache, die eigentümlich mit den schrecklichen Dingen kontrastiert, die er sagt und die wegen ihrer Direktheit und Dreistigkeit abstoßen. Er ist ein vollständiger Despot; vom niedrigsten bis zum höchsten Preußen zittern alle."

Im Bild: Ein Porträt Otto von Bismarcks aus dem Jahr 1895.

Otto von Bismarck

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Die Uneinigkeiten zwischen Bismarck und Kaiser Wilhelm II. führen schließlich 1890 zu Bismarcks Rücktritt als Reichskanzler. Seine Abneigung gegen den Monarchen waren so groß, dass er Münzen mit dem Kopf des Kaisers darauf umdrehte, um das Gesicht nicht sehen zu müssen.

Im Bild: Bismarck (an der Brüstung ganz rechts) nimmt 1895 auf dem Balkon seines Herrenhauses in Friedrichsruh, östlich von Hamburg, Huldigungen entgegen. Im Park des Anwesens sind Otto und Johanna von Bismarck begraben.

Otto von Bismarck empfängt König Chulalongkorn von Siam in Friedrichsruh, 1897

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Bei einem Essen mit Kaiser Wilhelm II. fällt Bismarck der ungewöhnliche Geschmack des Schaumweins auf. Der Kaiser erklärt, es sei deutscher Schaumwein, er trinke ihn aus Sparsamkeit - und aus Patriotismus. Worauf Bismarck nach eigener Darstellung antwortet: "Bei mir, Majestät, macht der Patriotismus kurz vor dem Magen halt."

Im Bild: Otto von Bismarck empfängt König Chulalongkorn von Siam (dem heutigen Thailand) in Friedrichsruh 1897.

© SZ.de/ewid/mcs/odg
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