Bischofskonferenz Flüchtlinge und Familie

Die katholischen Bischöfe wollen bei ihrer Konferenz in Fulda zeigen, wie viel die Kirche in Deutschland schon heute zur Integration der Vertriebenen leistet. Schwierig dürfte es werden, eine gemeinsame Haltung zu Familienthemen zu finden.

Von Matthias Drobinski

Die Flüchtlinge ändern vieles in Deutschland - bis hin zur Tagesordnung der katholischen Bischöfe, die sich von diesem Montag an in Fulda treffen. Dass die Vertreter der 27 Diözesen das Thema zum Schwerpunkt ihrer Beratungen machen werden, liegt nahe. Die katholische Caritas trägt gemeinsam mit der evangelischen Diakonie nach dem Staat die meisten Einrichtungen, die sich um die Flüchtlinge kümmern, von den Kleiderkammern über die Kitas bis hin zur Arbeit mit traumatisierten Menschen. Dann hat Papst Franziskus die Gemeinden und Klöster aufgefordert, mindestens eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen, auch das macht das Thema zur Pflicht. Und schließlich ist mancher Bischof noch sauer auf jene Politiker, die, als die Krise losging, die Kirchen kritisiert hatten: Deren konkretes Engagement bleibe hinter den Predigten für ein fremdenfreundliches Land zurück.

Dem möchten die Bischöfe Zahlen und Fakten entgegensetzen. Schon im August hatte das Sekretariat der Bischofskonferenz aufgelistet, was die Caritas und die Gemeinden, Verbände, Ordensgemeinschaften alles für Flüchtlinge tun - insgesamt habe man zusätzlich mehr als 73 Millionen Euro aus der Kirchensteuer bereitgestellt - wobei die Arbeit der Caritas überwiegend vom Staat und den Krankenkassen finanziert wird. Am Dienstag soll es neue, aktuelle Zahlen geben. Darüber hinaus haben die Bischöfe Experten eingeladen, die berichten sollen, wie es derzeit in den Kommunen aussieht und was die ehrenamtlichen Helfer leisten. Unter anderem sind das der Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) und seine Kollegin aus Brandenburg/Havel, Dietlind Tiemann (CDU).

Am Wochenende stellten mehrere Bischöfe klar, dass sie trotz aller Schwierigkeiten weiter für Offenheit gegenüber Flüchtlingen sind. Die Kirche müsse für die Würde der Menschen eintreten, vom ungeborenen Leben bis hin zu den Flüchtlingen, sagte der neue Erzbischof Heiner Koch, der am Samstag ins Amt eingeführt wurde. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte dem Kölner Domradio: "Deutschland leuchtet in diesen Wochen und macht Europa hell". Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck erklärte, Flüchtlinge dürften "nicht auf Grenzen, Zäune, Schlepper und Lager stoßen, sich selbst auf das nackte Leben reduziert vorfinden". Deutschland und Europa müssten "Räume der Freundschaft für Menschen auf der Suche nach Sicherheit, Verlässlichkeit, Rechtsstaatlichkeit und Wohlstand" schaffen. "So, wie die Flüchtlinge ihre Lebensgewohnheiten ändern müssen, so werden auch wir es tun müssen", fügte Overbeck hinzu.

Bei den Flüchtlingen sind sich die Bischöfe weitgehend einig; schwieriger wird es werden, eine gemeinsame Haltung zur Bischofssynode zu finden, die vom 4. bis zum 25. Oktober berät, wie die katholische Kirche künftig mit den Themen Ehe, Familie und Sexualität umgeht. Eine Mehrheit tritt für vorsichtige Änderungen ein. Einige Bischöfe aber fürchten, dass dadurch die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe aufgeweicht wird. Vermutlich wird am Ende kein eindeutiges Votum stehen, sondern dass man sich gute und offene Beratungen wünscht.