Bischof Mixa kritisiert Familienpolitik:"Von der Leyen degradiert Frauen zu Gebärmaschinen"

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Der katholische Bischof Mixa hat die Familienpolitik der Regierung als "kinderfeindlich" bezeichnet. Die Reaktionen kommt sofort: Ein SPD-Politiker erinnert sich an Hexenverbrennungen, der andere fordert den Rücktritt des Kirchenmanns.

Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat die Pläne von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zum Ausbau der Kleinkindbetreuung scharf kritisiert. Sie seien "schädlich für Kinder und Familien und einseitig auf eine aktive Förderung der Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern fixiert", sagte Mixa.

Die Familienpolitik der Ministerin diene nicht in erster Linie dem Kindeswohl oder der Stärkung der Familie, sondern sei "vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie zu rekrutieren". Dies sei kinderfeindlich.

Die Doppelverdiener-Ehe werde von der Ministerin geradezu zum "ideologischen Fetisch" erhoben, bemängelte der Bischof. Wer aber mit staatlicher Förderung Mütter dazu verleite, ihre Kinder bereits kurz nach der Geburt in staatliche Obhut zu geben, degradiere die Frau zur "Gebärmaschine".

Rücktrittsforderung aus Hessen, Kritik aus Bayern

Der hessische SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schmidt hat Mixa wegen seiner Aussagen zum Rücktritt aufgefordert. Schmidt warf dem Bischof vor, junge Mütter zu verunglimpfen, die nach der Geburt wieder in den Beruf zurück strebten.

Mixas Haltung sei von "familienpolitischer Rückständigkeit und einer frauenfeindlichen Grundhaltung" geprägt. Er degradiere mit seinen Äußerungen die Frauen zu "Gebärmaschinen". Angesichts einer solchen Haltung sei es kein Wunder, wenn der katholischen Kirche die Mitglieder davonlaufen, sagte Schmidt.

CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann hat Familienministerin Ursula von der Leyen gegen Mixas heftige Kritik in Schutz genommen. Herrmann warf dem Augsburger Bischof "Schwarzweiß-Malerei" in der Diskussion um einen Ausbau der Kleinkindbetreuung vor.

"Es wäre unfair und falsch, berufstätigen Müttern die Sorge um ihre Kinder und die Erziehungsleistung abzusprechen", betonte der CSU-Politiker. Es gehe überhaupt nicht darum, "dass Kinder auf den Staat abgeschoben werden sollen". Vielmehr seien Kindertageseinrichtungen familienunterstützende und -ergänzende Angebote.

Der Chef der bayerischen SPD-Landesgruppe im Bundestag, Florian Pronold, erklärte, ihn erinnerten Mixas Aussagen an eine "mediale Form der Hexenverbrennung". Pronold sagte der Nachrichtenagentur ddp: "Wer meint, dass man Frauen zuhause anketten und auf Küche und Kinder reduzieren kann, gehört nicht mehr in diese Zeit, egal ob er Bischof ist oder ein CSU-Parteibuch hat."

Pronold warf Mixa vor, den Eindruck zu erwecken, bessere Kinderbetreuungsangebote seien ein Angriff auf die Familie. Dabei gehe es vielmehr um eine Unterstützung für Familien, in denen beide Eltern arbeiten müssten, um durchzukommen.

"Ich glaube, dass er damit nicht einmal mehr die Mehrheit seiner Gläubigen repräsentiert, weil die genau wissen, dass die Zeiten heute andere sind", betonte der bayerische SPD-Vize.

Mixa spricht von "gesellschaftspolitischem Skandal"

Mixa hatte in Augsburg gesagt, es sei ein "gesellschaftspolitischer Skandal", dass das Ministerium zur Finanzierung neuer Betreuungseinrichtungen andere Familienleistungen kürzen wolle. Von der Leyen will die Zahl der Krippenplätze deutlich erhöhen und bis zum Jahr 2013 auf rund 750.000 ausbauen.

Mixa wandte sich zugleich gegen die Versuche der Ministerin, "der elterlichen Erziehung die notwendige Qualität abzusprechen und eine 'professionelle' Früherziehung von Kleinkindern zu propagieren". Die "wirklichen Profis" der Erziehung eines Kindes seien dessen Eltern und besonders die Mutter.

Der Staat müsse sich bemühen, immer mehr Mütter für die zeitlich überwiegende oder ausschließliche häusliche Erziehung ihrer Kinder in den ersten drei Lebensjahren zu gewinnen und dies auch finanziell zu fördern.

Ideologie wie in der untergegangenen DDR

Der Bischof kritisierte ferner, dass im Familienministerium nach wie vor dieselben leitenden Mitarbeiter und Berater tätig seien wie unter Rot-Grün: "Da herrschen immer noch die alten sozialistischen Vorstellungen, die von der neuen Familienministerin jetzt mit dem Etikett 'christdemokratisch' geadelt werden."

Mixa sagte, die Denkmuster des Familienministeriums erinnerten in beklemmender Weise an die Ideologie der staatlichen Fremdbetreuung von Kindern in der untergegangenen DDR.

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