bedeckt München 23°
vgwortpixel

Bischof Mixa in der Kritik:Nicht mehr als lässliche Sünden

Auch Nazi-Parallelen, wie sie der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller oder der Kölner Kardinal Joachim Meisner gezogen haben, sind für die Kirche nicht mehr als lässliche Sünden. Selbst wenn Mixa die Prügel-Vorwürfe der ehemaligen Heimkinder bestätigen müsste, wird Benedikt XVI. wohl weder ein Absetzungs- noch ein Amtsenthebungsverfahren einleiten, was der Papst laut Kirchenrecht durchaus tun könnte. "Aber das wäre ein Bruch mit den Üblichkeiten", sagt der Müncher Kirchenrechtler Stephan Haering, der 2005 die Bischofssynode in Rom beriet.

Nur der Papst in Rom kann einen Bischof kontrollieren und maßregeln. Er kann auch einen apostolischen Visitator schicken, der die Amtsführung eines Bischofs untersucht. Als 2003 ein Sexskandal im österreichischen St.Pölten bekannt wurde, schickte Papst Johannes Paul II. einen Visitator, im Jahr darauf trat der dortige Bischof Kurt Krenn zurück.

Schwierig wird es für einen Bischof also erst, wenn er nicht mehr zu Teilen der kirchlichen Lehre steht - oder wenn er im sexuellen Bereich zu Verfehlungen stehen muss. Den unbequemen französischen Bischof Jacques Gaillot versetzte Papst Johannes Paul II. ins Wüstenbistum Partenia; in den USA und in Irland mussten Bischöfe zurücktreten, weil sie Missbrauchsskandale vertuscht hatten.

In allen Fällen aber erfolgte der Rücktritt mehr oder weniger freiwillig. "Ein Bischof soll ihn anbieten, wenn er aufgrund von Krankheit oder anderen Gründen nicht mehr in der Lage ist, sein Amt ordnungsgemäß auszuüben", sagt der Kirchenrechtler Haering, "aber was mögliche Gründe für diesen Schritt sind, lässt das Kirchenrecht offen." Es müsste im Augsburger Fall also Bischof Mixa selbst zu der Erkenntnis gelangen, dass er sein Amt nicht mehr ordnungsgemäß ausüben kann, oder der Druck aus Rom müsste ihm zu dieser Einsicht verhelfen. Beides ist aber nach derzeitigem Stand nicht der Fall - auch an eine apostolische Visitation sei nicht gedacht, heißt es in Kirchenkreisen. Der Vatikan setze darauf, dass das Bistum Augsburg die Vorwürfe klärt. Und die Berater Mixas drängen ihn offenbar, die Sache durchzustehen.

Es ist das Gegenprogramm zur Mehrheit der katholischen Bischofskonferenz, die sich müht, nun den Opfern gerecht zu werden und Missbrauchsvorwürfe aufzuklären. "Man könnte jetzt an Bischöfin Margot Käßmann denken", sagt Haering. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland trat im Februar zurück, als sie erkannte, dass sie nach einer Alkoholfahrt ihr Amt nicht mehr unbelastet würde führen können. Aber an die wird Mixa nicht denken wollen.