Bildungsbericht Nachsitzen hilft

Von einer längeren Schulzeit würden alle profitieren.

Von Larissa Holzki

Je höher der Bildungsabschluss eines Menschen ist, desto mehr wird er verdienen, desto gesünder wird er leben und desto zufriedener wird er sein, zeigt der aktuelle nationale Bildungsbericht. Diese Erkenntnisse sind nicht neu. Umso frappierender ist, dass daraus noch immer nicht der richtige Schluss gezogen wurde: Haupt- und Realschüler brauchen mehr allgemeine Bildung und mehr Zeit, sich zu entwickeln, ehe sie in den Arbeitsmarkt kommen.

Zu früh wird vor ihnen die Drohkulisse Jobcenter aufgebaut, wenn sie sich nicht entscheiden können oder keinen Ausbildungsplatz finden. Bei der Bewerbung um eine Lehrstelle haben sie gegenüber Abiturienten zudem oft das Nachsehen, weil diese reifer sind und eher wissen, was sie wollen. Zwei, drei weitere Jahre an der allgemeinbildenden Schule könnten für längere Praktika und Persönlichkeitsbildung genutzt werden.

Als Vorteil einer kurzen Schulzeit gilt es, früher Geld zu verdienen - und Steuern zu zahlen. Dass die Gesellschaft davon profitiere, wenn ein Teil der Arbeitnehmer schon mit 16 Jahren in den Arbeitsmarkt eintritt, ist aber eine Illusion. Die Jahre, in denen diese Menschen früher als Akademiker Sozialabgaben zahlen, sind teuer erkauft. Bezahlt werden sie mit höheren Gesundheitskosten und Arbeitslosengeld. Gravierend sind auch die Folgen für die soziale Teilhabe: Menschen mit einem mittleren Schulabschluss gehen seltener wählen als solche mit Hochschulreife. Es leidet also auch die Demokratie.