Bildung:"Wir wollen ja niemandem was Böses"

Bildung: Hannes Leiteritz, 19, aus Schleiz in Thüringen ist Vorstandsvorsitzender der dortigen Landesschülervertretung und seit März Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz. Im Sommer hat er das Abitur abgelegt.

Hannes Leiteritz, 19, aus Schleiz in Thüringen ist Vorstandsvorsitzender der dortigen Landesschülervertretung und seit März Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz. Im Sommer hat er das Abitur abgelegt.

(Foto: privat)

Schüler wollen ihren Schulalltag mitgestalten - oft werden sie aber einfach übergangen.

Interview von Paul Munzinger

Hannes Leiteritz ist eigentlich gar kein Schüler mehr, im Sommer hat der 19-jährige Thüringer sein Abitur gemacht. Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz (BSK) ist er trotzdem weiterhin, voraussichtlich noch bis ins kommende Jahr. Leiteritz fordert mehr Mitsprache für Schüler - und mehr finanzielle Unterstützung.

SZ: Herr Leiteritz, haben Schüler in Deutschland zu wenig mitzureden, was in den Schulen passiert?

Hannes Leiteritz: Eindeutig ja. Schüler werden zu wenig ernst genommen. Viele trauen ihnen eine konstruktive Meinung nicht zu. Es stimmt natürlich: Junge Menschen haben noch nicht viel Erfahrung, sie müssen nicht so viel Verantwortung tragen. Aber sie haben eine Meinung, und die sollte man sich anhören. Schule ist für die Schüler da, und da wäre es doch das Natürlichste der Welt, dass die Schüler mitreden können - und nicht bedingungslos mitziehen müssen, wenn die Schulleitung alleine entscheidet.

Gibt es dafür nicht Schülervertretungen und Schulkonferenzen?

Das Problem besteht vor allem an den Schulen vor Ort. Dort passiert es zu oft, dass Schüler nicht einbezogen oder übergangen werden. Das ist schade, Schüler könnten einen guten Beitrag leisten. Auf Landesebene gibt es mittlerweile überall eine Schülervertretung oder einen Schülerrat, die Stellung nehmen, wenn es etwa um Änderungen an der Schulordnung oder am Schulgesetz geht. Bundesweit dagegen werden wir kaum wahrgenommen.

Liegt das nicht am föderalen System?

Richtig, auf Bundesebene können keine schulspezifischen Entscheidungen getroffen werden. Aber es werden die großen Leitlinien und die großen Themen diskutiert. Wie sollen wir mit Handys an den Schulen umgehen? Brauchen wir flächendeckend Informatikunterricht? Muss das Abitur der Länder vergleichbarer werden? Das alles sind Themen, wo auch wir als Schüler etwas beizutragen hätten, wo wir gerne mit einer Stimme Stellung nehmen würden. Aber das geht nur, wenn wir regelmäßig zusammenkommen.

Deshalb fordern Sie jetzt finanzielle Unterstützung.

Wir veranstalten in der Regel zweimal jährlich eine Plenartagung, zu der die Schülervertretung jedes Bundeslandes Delegierte entsendet. Organisation, Anreise, das alles kostet Geld, auch zwischendurch muss die Arbeit finanziert werden. Unser Wunsch ist, dass es einen Finanztopf gibt, mit dem wir verlässlich planen können, bezahlt etwa von der Kultusministerkonferenz.

Wie finanzieren Sie sich denn aktuell?

Das ist ein Spießrutenlauf. Bei unserem letzten Treffen im März in Brandenburg hat die dortige Schülervertretung im Ministerium angeklopft, die haben das dann übernommen. Auch vom Bundesbildungsministerium gibt es Projektförderung, da müssen wir aber selbst in Vorleistung gehen. Zufriedenstellende Lösungen sind das nicht. Manchmal kommt es vor, dass unsere Tagung ausfällt, weil das Geld fehlt. Kontinuität gibt es so nicht. Und für uns ist es umso schwerer, als Schülervertretung ernst und wahrgenommen zu werden, etwa von der Kultusministerkonferenz.

Holt die KMK Ihre Meinung ein, wenn sie etwas zu entscheiden hat?

Nein, aber das ist unser erklärtes Ziel. Wir wollen einbezogen, wir wollen angehört werden. Bald soll ja ein Nationaler Bildungsrat geschaffen werden, eine Art Expertengremium. Auch da möchten wir einen Sitz oder eine Stimme.

In Bayern bewerten Schüler seit zwei Jahren in einem Modellversuch Referendare. Ist das der Weg, der Ihnen vorschwebt?

Ob das so auch in anderen Bundesländern stattfinden sollte, darüber muss man diskutieren. Aber dass man die Schüler zu solchen Dingen befragt, ist sinnvoll. Wir wollen ja niemandem was Böses. Wir sagen nicht, wir wollen alles entscheiden, wir sagen auch nicht, die Lehrer sind alle doof. Wir sagen nur, dass wir mitreden wollen. Als mündiger Bürger kann man das durchaus tun. Auch wenn man erst in der 6. Klasse ist.

© SZ vom 07.08.2018
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