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Bildung:Fast 50 000 Menschen studieren ohne Abitur

Es ist leichter geworden, ohne Abitur zu studieren, Beraufsausbildung plus Berufspraxis genügt. Die Zahl der Studenten ohne Abi hat sich seit 2010 in etwa verdoppelt. Gefragt sind vor allem Fachhochschulen.

Die Zahl der Studierenden ohne Abitur in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Während 2010 noch 25 700 Studenten ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung an den Universitäten und Fachhochschulen eingeschrieben waren, waren es 2014 bereits 49 800, wie es in einer am Dienstag in Gütersloh veröffentlichten Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) hieß. Insgesamt gab es in Deutschland nach Angaben des statistischen Bundesamts im Wintersemester 2014/2015 rund 2,7 Millionen Studenten.

Die 16 Bundesländer haben zwischen 2009 und 2014 die Zugangsbedingungen erleichtert. Voraussetzung für die Bewerbung um einen Studienplatz ohne Hochschulreife oder Fachhochschulreife sind nun eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrjährige Berufspraxis. Die Zahl der Erstsemester ohne Reifezeugnis stieg laut Studie zwischen 2013 auf 2014 um 0,2 Prozentpunkte auf 14 000. Die Zahl der beruflich Qualifizierten, die 2014 ein Studium erfolgreich abgeschlossen haben, kletterte im Vergleich zum Jahr davor um rund 1000 auf insgesamt 5300. Vor allem Fachhochschulen seien bei Studenten ohne Hochschulreife gefragt, erklärte die Leiterin Hochschulforschung beim CHE, Sigrun Nickel. So mache ihr Anteil dort mittlerweile rund vier Prozent aus. Bei den Universitäten seien es knapp zwei Prozent.

Bei der Fächerwahl entschied sich die Hälfte der Erstsemester für Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Dahinter folgten die Sprach- und Kulturwissenschaften (14 Prozent) sowie die Ingenieurwissenschaften (13 Prozent). Rund zehn Prozent dieser Studienanfänger begannen 2014 ein Studium im Bereich Medizin und Gesundheitswissenschaften. Von den Bundesländern verzeichnen Hamburg und Nordrhein-Westfalen die höchsten Zuwachsraten bei Studienanfängern ohne Abitur. Mit einem Anteil von jeweils mehr als fünf Prozent liegen beide über dem Bundesdurchschnitt von 2,8 Prozent.