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Bildstrecke:Joschka F.: Vom Steinewerfer zum Villenbesitzer

Im bunten Leben des Multitalents Joschka Fischer gab es viele Rollen: Steinewerfer, Taxifahrer, Turnschuhminister, Vordenker, Zuchtmeister, heimlicher Parteivorsitzender, oberster Dipomat. Ein Streifzug durch ein bewegtes Leben.

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Joschka Fischer fing als Revolutionär an. Zwischen 1968 und 1975 beteiligte er sich als Mitglied der Gruppe "Revolutionärer Kampf" (RK) an Demonstrationen und Hausbesetzungen. Mit einer Ausbildung klappte es nicht so recht. Fischer hörte aber - auch ohne Abitur - an der Universität Habermas, Adorno und Negt und setzte sich eingehend mit Marx, Mao und Hegel auseinander.

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Den Lebensunterhalt verdiente sich Revoluzzer Fischer nach seiner Entlassung bei Opel mit Gelegenheitsjobs, unter anderem als Antiquar und als Taxifahrer. Genau den spielte Fischer 1986 im Film "Va Banque".

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Den Marsch durch die Institutionen begann Fischer bei der Vereidigung als hessischer Umweltminister in den legendären weißen Turnschuhen. Das sollte zeigen, wie anders die Grünen - und auch Fischer - waren. Sonst trug Fischer solche Schuhe eigentlich nur beim Sport.

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Die Schuhe schafften es schon ins Museum - Joschka Fischer aber ist als Redner und Kommentator noch recht aktiv.

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1987 bereitete die Weigerung der hessischen SPD, die Betriebsgenehmigung für die Plutoniumfabrik Alkem in Hanau zurückzuziehen, den Grünen soviel Kopfzerbrechen, das sie sich gezwungen sahen, die Koalition platzen zu lassen. Hier tauscht sich Fischer mit seinem Weggefährten Daniel Cohn-Bendit aus.

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Zu dieser Zeit stritten Otto Schily und Joschka Fischer noch für dieselbe Sache. Zwei Jahre später entzweiten sie sich über den Kurs der Partei und Schily ging zur SPD. Aber man sieht sich immer zweimal im Leben...

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Erst einmal ging Fischer von Hessen in den Bundestag nach Bonn zurück und wurde Fraktionschef der Grünen. Da man bei den Grünen Spitzenämter teilen muss, arbeitete Fischer mit Kerstin Müller zusammen.

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Im Bundestag ging er die Regierung des Helmut Kohl oft und hart an. Außenminister Kinkel warf er gar mal "windelweiche Servilität" in der Menschenrechtspolitik vor. Berühmt auch seine Reden zur Kießling-Affäre, der Pazifisten-Debatte und sein Spruch zu Richard Stücklen: "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch..."

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Zwei Sportler - ein Politiker: Fischer als Stürmer der Elf der grünen Bundestagsfraktion 1996 (angeblich war er ziemlich gut) und - nur zwei Jahre später - beim Joggen.

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Der Marsch durch die Institutionen führte Fischer schließlich ins Auswärtige Amt. Die mit Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine geteilte Champagnerlaune im Koalitionsgründungsjahr 1998 verflog jedoch sehr bald...

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...als es galt, auch die eigene grüne Partei für die Beteiligung Deutschlands am Kosovo-Krieg zu gewinnen. Sein Plädoyer für den Auslandseinsatz der Bundeswehr brachte ihm auf einem Grünen-Parteitag einen Farbbeutel-Wurf ein. Fischer erlitt dabei einen Riss im Trommelfell.

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Auch im Bundestag hatte er schwere Stunden durchzustehen: Die Opposition kramte Anfang des Jahres 2001 Fischers militante Vergangenheit hervor und wollte den Außenminister absägen. Vergeblich.

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Vergeblich war auch Fischers Protest gegen den Irak-Krieg der USA im Jahr 2003. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz sagte Fischer zu US-Verteidigungsminister Rumsfeld die legendären Worte: "I am not convinced".

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Eine besondere Freude - und vielleicht auch Genugtuung - war es für Fischer, als ihm die Universität Haifa für sein Engagement "gegen Rassismus und Antisemitismus" die Ehrendoktorwürde verlieh. Endlich ein akademisches Pfund, mit dem er Anwürfe, er habe keine formale Bildung, kontern konnte.

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Reden konnte er, der Joschka: Scharfzüngig, ein Meister der Metapher. Oft bot er große Unterhaltung.

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Auch beim Heiraten war Fischer fleißig. Seit dem Jahr 2003 lebt er mit der iranisch-stämmigen Filmproduzentin Minu Barati zusammen. Im Jahr 2005 heiratete er sie am Kapitolshügel in Rom - Barati ist Fischers fünfte Frau.

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Ziemlich zäh war seine Vernehmung in der Visa-Affäre im Frühjahr 2005. Nach Jahren auf Plätzen an der Sonne brach auch Fischers persönliche Beliebtheit dramatisch ein.

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Auch das Verhältnis zu Kanzler Schröder verschlechterte sich zusehends. Vor allem, als sich Schröder nach dem Jobgipfel 2005 vor die Presse stellte und Fischer als reine Staffage sah, kam das beim grünen "Leitganter" (Renate Künast) gar nicht gut an.

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Nach einem letzten - diesmal erfolglosem - Wahlkampf 2005 kündigte Fischer an, sich im Bundestag auf die hinteren Bänke zurückzuziehen.

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Joschka Fischer

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Dort hielt es Fischer aber nicht lange aus, Mitte 2006 verkündete er seinen "unwiderruflichen" Rückzug aus der Politik. Zuvor war Fischer noch auf der Münchner Sicherheitskonferenz aufgetreten. Seither haben die Deutschen von ihrem einstmals beliebtesten Politiker nicht mehr viel gehört. Der Schulabbrecher ging an die Universität und lehrte an der amerikanischen Elite-Universität Princeton. Er hielt zahlreiche Vorträge.

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Zurück aus Amerika sagte der ehemalige Außenminister vor dem BND-Untersuchungsausschuss aus. Zu dieser Zeit gründete Fischer auch eine Beraterfirma mit dem Namen "Joschka Fischer Consulting" sowie - gemeinsam mit anderen Polit-Promis - die Denkfabrik "European Council on Foreign Relations". Der ehemalige Revolutionär zog aus dem Herzen Berlins in eine Villa im Nobelviertel Grunewald.

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Kaum 16 Monate, nachdem Joschka Fischer seinen definitiven Abschied aus der Politik verkündet hatte, war er mit seiner Autobiographie "Die rot-grünen Jahre" wieder da. In altbekannter Bescheidenheit beschreibt er darin auf 444 Seiten seine Darstellung der rot-grünen Regierungsjahre - und das ist erst der erste Band.

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Kurz darauf ist der frühere Außenminister zurück auf der politischen Bühne. Im Wahlkampf unterstützt er die Grünen in Hessen, bei seiner Rede in Wiesbaden ist der alte Kampfgeist wieder da. Fischers Botschaft ist klar: "Roland Koch muss weg" - und macht damit klar: Joschka Fischer ist wieder da.

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