Bilanz der Missbrauchsbeauftragten "Das Thema darf nicht wieder verschwinden"

Wie Fegert erläuterte, haben 62 Prozent der Betroffenen keine Strafanzeige gegen die mutmaßlichen Peiniger gestellt - vor allem deswegen, weil sie verjährt waren. Nicht wenige fürchteten sich seiner Erfahrung nach auch davor, sich einem Gutachter zu stellen, der ihre Glaubwürdigkeit für das Gericht testet. In der Regel würden nämlich die Betroffenen begutachtet, nicht die Täter. "Das wird als demütigend empfunden, vor allem, wenn dann Zweifel an der Glaubwürdigkeit bleiben", sagt Fegert.

Weil viele der Anrufer den Wunsch geäußert hatte, dass Betroffene auch mit Mitgliedern des Runden Tischs "Sexueller Kindesmissbrauch" sprechen können, hatte die Missbrauchsbeauftragte Bergmann am 10. November ein solches Treffen organisiert, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand.

Gabriele Gawlich hatte als Betroffene diesem Gespräch beigewohnt. Sie äußerte sich allerdings enttäuscht darüber, dass die Hälfte der Mitglieder des Runden Tisches nicht teilgenommen hätte. "Es ist ein Zeichen, wie stark man an dem Thema interessiert ist", sagte Gawlich. Sie kritisierte, dass Betroffene noch immer von der Gesellschaft allein gelassen würden.

"Wir sind keine Randgruppe, sondern Teil der Gesellschaft", sagte sie und forderte, dass Betroffene künftig in alle Gremien einbezogen werden müssten. Außerdem plädierte Gawlich dafür, die Stelle der Unabhängigen Missbrauchsbeauftragten dauerhaft zu etablieren. Eine unabhängige Anlaufstelle hält auch Bergmann für notwendig. Sie sagte. "Das Thema darf nicht wieder verschwinden. Es ist nicht angenehm, aber wir müssen uns dem aussetzen, wenn wir unsere Kinder schützen wollen."