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US-Vorwahl:Biden gewinnt in Mississippi, Missouri und Michigan

Joe Biden in Philadelphia, Pennsylvania

(Foto: Mandel Ngan/AFP)
  • In sechs weiteren Bundesstaaten fanden an diesem Dienstag Vorwahlen für die US-Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei statt.
  • In Mississippi, Missouri und Michigan setzte sich Prognosen zufolge der Bewerber Joe Biden gegen seinen stärksten Konkurrenten Bernie Sanders durch.
  • Der Druck auf Sanders, seine Kampagne einzustellen, dürfte steigen.

Bernie Sanders wird wohl auch diesmal allerlei Schuldige finden, die Medien, die Amtsträger der Demokratischen Partei, Strippenzieher im Hintergrund. Doch nach einer weiteren Runde von Vorwahlen wird immer klarer: Die demokratischen Wähler wünschen sich nicht den selbsterklärten demokratischen Sozialisten als Präsidentschaftskandidaten, sondern Joe Biden.

Der frühere Vizepräsident gewann am Dienstag in mindestens drei von sechs Bundesstaaten, in denen gewählt wurde, eine klare Mehrheit der Stimmen: Mississippi, Missouri und Michigan - der wichtigste Staat dieser Wahlnacht.

Auch wenn zunächst noch nicht alle Resultate da waren: Biden hat damit seinen Vorsprung bei den Delegierten, die für die Nominierung entscheidend sind, deutlich ausgebaut. Er ist jetzt der haushohe Favorit, und es müsste schon etwas völlig Unerwartetes geschehen, damit jemand anders als er im Herbst gegen Amtsinhaber Donald Trump antritt.

Damit könnte der demokratische Wahlkampf ein rasches Ende finden - ein Ende, das noch vor zwei Wochen niemand auf der Rechnung gehabt hatte.

In seiner Ansprache in der Wahlnacht gab sich Biden jedenfalls schon fast so, als wäre er bereits der offizielle Präsidentschaftskandidat der Partei. Er streckte Sanders und dessen Anhängern demonstrativ die Hand aus, indem er sich für ihre "Energie und Leidenschaft" bedankte und sagte: "Uns verbindet ein gemeinsames Ziel: Trump zu besiegen." Sanders dagegen entschied, in der Wahlnacht gar nicht vor die Medien zu treten, was eher ungewöhnlich war.

Wie schon vor einer Woche am Super Tuesday konnte Biden auch diesmal auf die überwältigende Unterstützung durch die schwarzen Wähler zählen. In Mississippi stimmen laut den Nachwahlbefragungen 86 Prozent der Afroamerikaner für den früheren Stellvertreter von Barack Obama. Doch wie der Fall von Michigan zeigt, gewann Biden auch in den meisten anderen Wählergruppen eine Mehrheit. Vor allem siegte er in den Vororten, die sich seit Trumps Wahl als großes Reservoir von Wählern für die Demokraten erwiesen haben.

In Michigan war Sanders vor vier Jahren ein überraschender Sieg über Hillary Clinton gelungen. Er hatte in den vergangenen Tagen seinen gesamten Wahlkampf auf den Rostgürtelstaat ausgerichtet. Doch er schaffte es diesmal nicht annähernd, sein Resultat von 2016 zu wiederholen, und er verpasste erneut sein Ziel, scharenweise junge Leute und Nichtwähler an die Urne zu bringen.

Einen recht guten Einblick in die Stimmung bei den Demokraten lieferte in der Wahlnacht Andrew Yang. Der Unternehmer und ehemalige Präsidentschaftsbewerber hatte sich bis zu seinem Rückzug aus dem Rennen vor einigen Wochen um ähnliche Leute bemüht wie Sanders: junge und unabhängige Wähler, die sich große Reformen wünschen und der Demokratischen Partei eher skeptisch gegenüberstehen.

Doch als am Dienstag die Resultate aus den Bundesstaaten eintrafen, saß Yang im Studio von CNN und gab eine Wahlempfehlung für Biden ab. Mathematisch sei Biden die Kandidatur kaum mehr zu nehmen, deshalb gelte es jetzt, sich hinter ihn zu stellen: "Wir müssen die Partei zusammenbringen." Das war ein Appell an Sanders' Anhänger, die mit Bidens Kandidatur nicht viel anfangen können.

Das demokratische Fussvolk hat keine Lust auf einen Aufstand von links

Yang wurde mit seiner Wortmeldung zum elften ehemaligen Rivalen von Biden, der ihm nun die Unterstützung ausgesprochen hat. Bereits am Wochenende hatten die ausgeschiedenen Bewerber Kamala Harris und Cory Booker Biden zur Wahl empfohlen und mit ihm auch Wahlkampf betrieben.

Dass diese Zeichen von führenden Demokraten von der Basis so bereitwillig gehört werden, legt den Schluss nahe: Das demokratische Fußvolk hat keine Lust auf einen Aufstand von links, wie ihn Sanders fordert. Und es hat auch keine Lust darauf, den phasenweise giftigen Flügelkampf noch viel länger hinauszuziehen. Stattdessen scheint die Basis zum Schluss gekommen zu sein, dass Biden jener Kandidat ist, der Trump am ehesten schlagen kann - und das ist für die meisten Demokraten das wichtigste Kriterium.

Der Druck auf Sanders, seine Kampagne schon bald einzustellen, dürfte deshalb in den kommenden Tagen steigen. Auf dem Papier könnte der 78-Jährige zwar durchaus noch genügend Delegierte sammeln, um Biden zu überholen. Doch dazu müsste er in den kommenden Vorwahlen mit sehr großen Margen gewinnen. Dafür spricht wenig. So haben viele der Bundesstaaten, die als nächste wählen, einen hohen Anteil von schwarzen Wählern, die das Rückgrat von Bidens Koalition bilden. In anderen Staaten, die noch ausstehen, hatte Sanders gegen Clinton 2016 sehr deutlich verloren.

Der Dienstag war nicht nur der Tag, an dem Biden zum wahrscheinlichen Kandidaten der Demokraten wurde. Es war auch der Tag, an dem das Coronavirus mit voller Wucht den Präsidentschaftswahlkampf erreichte. Sowohl Sanders wie auch Biden mussten Auftritte vor Tausenden von Anhängern absagen, die sie in der Wahlnacht im Bundesstaat Ohio geplant hatten. Nachwahlbefragungen zeigten zudem, dass das Coronavirus auch für die Wähler ein wichtiges Thema war - und dass die wachsende Sorge möglicherweise Biden zugutekommt.

Eine Mehrheit der Demokraten traut danach dem früheren Vizepräsidenten am ehesten zu, eine schwere Krise zu bewältigen. Noch in der Wahlnacht sagte Biden über den Umgang mit dem Coronavirus: "Wir brauchen eine Führung, die ehrlich, vertrauenswürdig, wahrhaftig und zuverlässig ist." Und er klang auch damit ganz so, als ginge es jetzt nur noch gegen Trump.

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© SZ.de/jael/odg
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