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Beziehungsgeflecht in der Petraeus-Affäre:Magisches Viereck

Wie kann eine Mutter aus Tampa zwei Generälen zum Verhängnis werden? Und warum blieb die Affäre so lange unter Verschluss? Kritiker von Präsident Obama wittern eine Verschwörung und wollen den Fall neu aufrollen.

Petraeus Allen Kelley Broadwell

Paula Broadwells (rechts) Haus wurde bereits vom FBI durchsucht - das von Jill Kelley könnte bald folgen.

(Foto: REUTERS)

Jill Kelley hatte scheinbar nur die besten Absichten: In Tampa, Florida, kümmerte sich die verheiratete Mutter dreier Kinder als Freiwillige um verwundete Kriegsveteranen, half bei wohltätigen Anlässen. Die 37-Jährige mit den langen, dunklen Haaren ist in der besseren Gesellschaft der Küstenstadt - der militärischen vor allem - bekannt und gern gesehen.

Als der CIA-Direktor und frühere General David Petraeus am Freitag zurücktrat, galt sie zunächst bloß als Opfer, das verstörende E-Mails von Petraeus' früherer Geliebten erhalten hatte. Mittlerweile aber wirkt ihre Rolle komplexer. Mindestens drei Männer sollen ihr mehr oder weniger nahe gekommen sein, darunter ein FBI-Ermittler, der Ex-CIA-Direktor Petraeus sowie der Vier-Sterne-General John Allen, der die Nato-Truppen in Afghanistan befehligt. In Allens Umfeld hieß es, er habe keine Affäre mit Kelley gehabt, er habe sie in Mails zwar "sweetheart" genannt, dies aber rein platonisch gemeint.

Die Amerikaner sind daran gewöhnt, dass ihre Politiker und Stars fremdgehen. Neu ist aber, dass sich gleich mehrere Männer, die für die Sicherheit des Landes verantwortlich sind, solche Fehltritte leisten und damit erpressbar machen. Das Land fragt sich nicht nur, ob alle Generäle so charakterschwach sind, sondern auch, warum in dieser Geschichte immer wieder Jill Kelley aus Tampa auftaucht. Waren die Männer ihrem Charme nicht gewachsen? Hat sie ihn zielbewusst eingesetzt? Ist sie eine Agentin?

Petraeus soll Jill Kelley und ihren Mann Scott kennengelernt haben, nachdem er 2008 Leiter des US-Zentralkommandos (Centcom) wurde, das die Militäroperationen im Nahen Osten überblickt und sein Hauptquartier auf der Luftwaffenbasis MacDill hat, im Süden von Tampa. Die Ermittlungen gegen Petraeus sollen ergeben haben, dass er mit Frau Kelley bloß befreundet war. Im Frühsommer dieses Jahres soll Jill Kelley eine ganze Serie anonymer E-Mails bekommen haben. Darin hieß es, sie habe mit Petraeus geflirtet, ihn gar unter dem Tisch "berührt". Sie solle die Finger von Petraeus lassen.

Kelley beklagte sich bei einem Beamten der Bundespolizei FBI, den sie kannte. Bisher ist nicht erwiesen, dass die beiden je ein Verhältnis hatten, aber der Polizist soll Frau Kelley einmal Fotos von sich mit nacktem Oberkörper geschickt haben. Er leitete ihre Beschwerde weiter, und das FBI nahm sie ernst. Manche Beobachter finden es jetzt dubios, dass die Bundespolizei einer relativ gewöhnlichen Beschwerde über lästige E-Mails so viel Gewicht beimaß.

Sexuell eindeutige E-Mails

Die Ermittler hingegen verteidigen ihren emsigen Einsatz. Die Fakten hätten dies gerechtfertigt, erklärte ein Beamter der New York Times. Die E-Mails hätten nahegelegt, dass die Verfasserin die Gewohnheiten des CIA-Direktors kannte. Die Untersuchung war kompliziert, weil die E-Mails von einer anonymen Adresse verschickt wurden.

Die Ermittler mussten herausfinden, von welchem Computer sie stammten. So stieß das FBI schließlich auf Paula Broadwell, die Biografin von Petraeus. Offenbar dachten die FBI-Experten zunächst, ein Hacker habe die E-Mail-Adresse des CIA-Chefs benutzt, weil die Mails an Broadwell sexuell so eindeutig waren. Erst dann begriffen die Polizisten, dass sie eine Affäre entdeckt hatten.

Derweil befürchtete der FBI-Mann in Florida, den Jill Kelley anfangs eingebunden hatte, das Verfahren werde eingestellt. Er gehörte nicht zu der "Cyber crime"-Einheit, die den Fall untersuchte, erkundigte sich aber ständig. Irgendwann baten ihn seine Vorgesetzten, sich herauszuhalten. Medienberichten zufolge sah sich der Polizist darin bestätigt, es werde etwas vertuscht, um Präsident Barack Obama zu schützen. Also meldete er sich bei Eric Cantor, einem hochrangigen Republikaner im Repräsentantenhaus, der sich am 31. Oktober an FBI-Direktor Robert Mueller wandte.

Derweil prüfte das FBI, ob Broadwell oder Petraeus gegen Gesetze oder andere Vorschriften verstoßen hatten. Am Ende kamen sie zu dem Ergebnis, dass außer einer moralischen Verfehlung nichts geschehen war. Doch wundern sich Beobachter, wie gut Broadwell über die CIA informiert war. Sie galt unter Journalisten als Quelle, die redseliger war als die CIA-Pressestelle.