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Beyoncé und Jay-Z verärgern Exil-Kubaner:US-Stars zu Besuch im Sozialismus

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Beyoncé und Jay-Z winken in Havanna ihren kubanischen Fans zu. Während vor dem Hotel der Stars nur ein paar Hundert Menschen freudig jubelten, sorgte die Kuba-Reise des Promi-Paares in Washington für deutlich mehr Aufregung.

(Foto: AFP)

Jay-Z und Beyoncé waren zusammen im Urlaub. Soweit, so sexy. Da ihr Reiseziel jedoch Kuba hieß, beschäftigt ihr Kurz-Trip dieses Mal nicht die Klatschblätter, sondern den US-Kongress.

Urlaub ist politisch. Das wissen deutsche Urlauber, die vor einigen Jahren Myanmar besuchten - und sich anschließend im Freundeskreis für ihr Reiseziel rechtfertigen mussten. Und das wissen nun auch Jay-Z und Beyoncé.

Das popmusikalische Über-Pärchen wollte eigentlich nur Hochzeitstag feiern. Fünf Jahre sind der Rapper und die Popmusikerin nun verheiratet. Havanna schien den beiden der richtige Ort zu sein, darauf anzustoßen. Für die starke US-amerikanische Lobby der Exil-Kubaner gibt es jedoch keinen falscheren Ort. Und somit haben die republikanischen Kongress-Abgeordneten Ilena Ros-Lehtinen und Mario Diaz-Balart untersuchen lassen, ob der Ausflug der Musiker in den Sozialismus legal war.

Ros-Lethinen und Diaz-Balart kommen beide aus kubanischen Familien, die das Land unter Fidel Castros sozialistischer Führung verließen. Urlaub auf Kuba bedeutet für sie: ein diktatorisches Regime finanzieren.

"I don't think it sends the right message to the suffering Cuban people. They want freedom, and Beyoncé and Jay-Z are there to have a good time. They should go somewhere else"

Das sagte Ros-Lehtinen Anfang der Woche auf CNN. Gemeinsam mit Diaz-Balart schrieb sie einen Brief an das zuständige US-Finanzministerium, in dem sie forderte, dass die Reise der beiden auf ihre Rechtmäßigkeit geprüft werden solle. Auch Floridas Senator Marco Rubio schloss sich Ros-Lehtinens Kritik an. Der Republikaner und radikale Kuba-Gegner sagte, dass der Besuch der Pop-Stars vom kubanischen Regime zu Propaganda-Zwecken genutzt worden sei.

Kuba-Reisen sind in den USA eigentlich verboten

Analog zum US-amerikanischen Handelsembargo gegenüber Kuba sind Reisen zum sozialistischen Nachbarn verboten. Verboten mit Ausnahmen. Wer an einem organisierten Kulturaustausch teilnimmt und auf simple Freuden wie Strand und Palmen verzichtet, der darf auch als US-Bürger nach Kuba reisen. People-to-People nennt sich dieses Austauschprogramm, an dem auch Jay-Z und Beyoncé ganz legal teilgenommen haben.

Somit haben sowohl die Republikaner als auch mögliche kubanische Papparazzi das Nachsehen: kein Glamour-Couple in knapper Badekleidung unter Palmen. Sondern zwei Großverdiener ganz brav auf geführter Gruppenreise. Die offizielle Genehmigung des US-Finanzministeriums in der Tasche, besuchten die Stars Konzerte und eine Kinder-Theatergruppe und trafen sich mit kubanischen Musikern.

Bill Clinton machte diese Form der kubanisch-amerikanischen Kulturbegegnung im Jahr 2000 legal, George W. Bush ließ sie 2003 wieder verbieten. Seit Obama 2008 im Weißen Haus sitzt, sind die Kultur-Trips politisch wieder erwünscht. 150 solcher Reisen finden inzwischen jährlich statt und die Nachfrage steigt. Mit ihrer Kuba-Reise ist das Pop-Pärchen Teil des Trends.

Statt klärender Worte ein Protest-Rap

Jay-Z könnte die ganze Sache jetzt natürlich mit ein paar besänftigenden Worten klären: "Ich habe einfach nur eine Reise mit meiner Frau, meiner Mutter und meiner Schwiermutter gemacht. Ich bin dennoch weiterhin bekennender Kapitalist und habe nicht vor, meine 500 Millionen US-Dollar schwere Firma zum Volkseigentum zu erklären. Ich wollte einfach Salsa lernen." Doch, nein. Demut ist Jay-Zs Sache nicht.

Die Story, mit der der Rapper groß geworden ist, ist immerhin der große "Vom- Ghetto-zum-Millionär" Mythos. Die "Mir-macht-niemand-mehr-was-vor"-Attitüde ist zentraler Teil des Image. Und was macht einer, der sich nicht mehr rumschubsen lässt? Einen Protest-Rap. In seinem neuen Song "Open Letter" nimmt Jay-Z zu den Vorwürfen Stellung. "Boy from the hood but got White House clearance" textet der kritisierte Musiker.

Moment, die Sache wurde vom Präsidenten persönlich genehmigt? Das Weiße Haus ist eingeschaltet? Dass Rap als Kunstform nicht den puren Fakten verpflichtet ist, verstand nicht jeder. So musste Obamas Pressesprecher Jay Carney es allen noch einmal geduldig erklären: "It's a song." Das ist nur Musik. Vielleicht reime sich einfach nichts auf den Namen des Finanzministeriums, der zuständigen Behörde, sagte Carney. Das Weiße Haus sei in der Sache weder involviert noch verantwortlich.

Das People-to-People-Progamm scheint jedenfalls in Sachen menschlicher Annäherung gut zu funktionieren. Neben Politiker-Beleidigungen wie "politicians never did shit for me" nutzt Jay-Z seinen neuen Song auch um klar zu stellen: "I love Cubans". Darauf reimt sich dann: "This communist talk is so confusing." Word.