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Bettina Wulff als Zeugin vor Gericht:"Wir sehen uns regelmäßig"

Bettina Wulff hätte vor Gericht auch schweigen können. Doch die Noch-Gattin will den Ex-Bundespräsidenten entlasten. Vor dem Landgericht Hannover berichtet sie von dessen engem Verhältnis zu Filmproduzent Groenewold - und wie aus einem privaten ein offizieller Termin wurde.

Tagelang, wochenlang dümpelte der Prozess gegen den Bundespräsidenten a. D. Christian Wulff dahin: Kaum mehr Zuschauer im Saal, keine Schlangen vor der Tür, nichts. Doch am Donnerstagmorgen ändert sich alles: Schon um kurz vor 8 Uhr stehen die ersten Besucher an, immer mehr drängen sich vor dem Landgericht Hannover, um eingelassen zu werden.

Dabei kommt die, auf die sie warten, erst etwa zweieinhalb Stunden später. Bettina Wulff - sie scheint die Menschen mehr zu faszinieren als ihr Mann, gegen den hier verhandelt wird. Sie will sprechen an diesem Tag. Ihrem Mann zuliebe, wie es heißt. Sie wolle ihn unterstützen. Dabei könnte sie als Ehefrau schweigen. Sie hat das Recht, die Aussage zu verweigern als nahe Angehörige - auch wenn die beiden schon seit knapp einem Jahr getrennt leben. Aber Bettina Wulff spricht.

Christian Wulff

Sein Leben in Bildern

Die 40-Jährige bestätigt die gute Freundschaft ihres Mannes zum mitangeklagten Filmfinancier David Groenewold. Bettina Wulff hatte ihren Mann 2008 zum Münchner Oktoberfest begleitet, Groenewold übernahm dabei einen Teil der Kosten für das Paar. Wulff, damals niedersächsischer Ministerpräsident, soll sich der Staatsanwaltschaft zufolge im Gegenzug später für ein Filmprojekt Groenewolds eingesetzt haben - und muss sich deshalb wegen Vorteilsnahme verantworten.

Ärger über den "Tatort"

Nun berichtet Bettina Wulff, wie es zu dem Besuch kam. Die Idee zum gemeinsam Wiesn-Besuch sei Anfang 2008 entstanden. "David hat vorgeschlagen, er würde uns gerne einladen", sagte sie. Es sei schwierig gewesen, private Termine im Kalender ihres Mannes unterzubringen. "Private Termine waren immer sekundär, primär standen die offiziellen im Vordergrund."

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Aus der privaten Idee sei später ein offizieller Termin geworden, weil ihr Mann Maria Furtwängler beim Oktoberfest treffen wollte. Ihrem Mann habe am Herzen gelegen, mit der Schauspielerin über ihren Einfluss auf die "Tatort"-Drehbücher zu reden, "dass man vielleicht das Land Niedersachsen auch ein bisschen freundlicher darstellen könnte da". Die Episoden seien immer "so düster" gewesen. "Da haben wir uns ein bisschen darüber geärgert."

Zu Beginn ihrer Zeugenaussage nimmt Bettina Wulff auf Nachfrage des Richters Stellung zum aktuellen Verhältnis zu ihrem Mann, von dem sie inzwischen getrennt lebt. "Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis, wir sehen uns regelmäßig."

Nach gut einer Stunde beendet das Landgericht Hannover die Vernehmung von Bettina Wulff. Außer ihr ist nur noch ein einziger Zeuge geladen an diesem Tag, ein Geschäftspartner Groenewolds. Den hörte das Gericht gleich zu Beginn des Prozesstages an. Er sagte, er habe Wulff nur ein oder zwei Mal getroffen. Er sei auch nicht zusammen mit ihm beim Oktoberfest gewesen, obwohl dies auf einem Bewirtungsbeleg von Groenewold so vermerkt war.