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Bettencourt-Affäre:Sarkozys Rivalen haben Zweifel

Die Opposition sprach dem Bericht jegliche Relevanz ab. Er stamme von einer Behörde, die dem damaligen Haushaltsminister Woerth untergeordnet war. Daher sei er interessengeleitet. Der Sprecher der Sozialisten, Benoît Hamon, bezeichnete ihn als Teil einer Manipulationskampagne. Es sei kein Zufall, dass er kurz vor dem Fernseh-Interview mit Sarkozy publiziert worden sei. Auch Sarkozys parteiinterner Rivale Dominique de Villepin bezeichnete den Bericht als unglaubwürdig.

Ein Finanzinspektor räumte in der Wirtschaftszeitung Les Echos ein, es sei nicht verwunderlich, dass Woerth nichts nachzuweisen sei. Mündliche Anweisungen könnten kaum belegt werden. Zudem mache die Behörde keine Aussagen über einen möglichen Interessenskonflikt. Damit spielte er darauf an, dass Woerth einerseits Schatzmeister der UMP ist und seine Frau andererseits bis zum Auffliegen der Affäre Vermögensverwalterin von Bettencourt war. Medienberichten zufolge soll Woerth 2007 von Bettencourt mindestens 150.000 Euro in bar erhalten haben. Seine Frau Florence habe Bettencourt im Gegenzug beraten, wie sie Steuern sparen könne.

78 Millionen Euro in der Schweiz?

Der Minister bestritt alle Vorwürfe, erwog am Montag aber, das Amt des UMP-Schatzmeisters aufzugeben. Tatsächlich hatte Bettencourt 2008 dank der von Sarkozy eingeführten Steuerobergrenze für Vermögende 30 Millionen Euro Steuern gespart. Zudem soll die 87-Jährige 78 Millionen Euro am französischen Fiskus vorbei in der Schweiz versteckt haben, ohne dass das Ministerium eingriff.

Sarkozy nahm gleich zu Beginn des einstündigen Live-Interviews aus dem Garten des Elysée-Palastes zu der Bettencourt-Affäre Stellung. Die meiste Zeit redete er dann über die Wirtschaft allgemein und vor allem über die anstehende Rentenreform. Er sagte, Woerth werde diese Reform bis zu Ende führen.

© SZ vom 13.7.2010/mob

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