Betrugsvorwürfe gegen TrumpDas Märchen vom Selfmade-Milliardär

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Der US-Präsident rühmte sich stets, er habe es aus eigener Kraft zu Ruhm und Reichtum gebracht. Nun erschüttert ein Zeitungsbericht diese Darstellung und alarmiert die Steuerbehörden.

Von Alan Cassidy, Washington

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Im November 1976 lud Donald Trump zu einer Spritztour durch New York. Am Steuer des Cadillacs saß ein Chauffeur, Trump hatte es sich im Fond bequem gemacht, eine Journalistin der New York Times an seiner Seite. Während sie durch die Stadt fuhren, zeigte ihr der damals 30 Jahre alte Jungunternehmer ein Highlight nach dem anderen: das geplante Luxushotel in Manhattan, das alte Bahngelände am Hudson River, das er überbauen wollte, die Appartementhäuser in Brooklyn. "Ich habe noch nie einen schlechten Deal gemacht", prahlte Trump. Es war die Geburt eines Mythos: Donald, der Selfmademan.

Was Trump nicht sagte: All diese Projekte finanzierte er nicht selbst, sondern mit dem Geld seines Vaters. Mindestens 413 Millionen Dollar soll er über mehrere Jahrzehnte von Fred Trump erhalten haben, vieles davon auf eine Weise, die gesetzlich grenzwertig bis betrügerisch war. So berichtet es die New York Times. Ein Team von Reportern grub sich über ein Jahr lang durch Zehntausende von Steuererklärungen und Buchhaltungsunterlagen von Fred Trump und von dessen Firmen. Das Ergebnis druckte die Zeitung am Mittwoch auf acht Seiten.

Der Artikel, der in den US-Medien hohe Wellen schlägt, macht im Wesentlichen zwei Aussagen. Erstens: Trump gelangte dank seines Vaters schon viel früher zu Vermögen, als bisher bekannt war. Fred Trump hatte durch den Bau und Verkauf von günstigen Wohnungen in Brooklyn und Queens schon früh viel Geld verdient. Geld, das er - um Steuern zu vermeiden - seinen fünf Kindern über regelmäßige Zahlungen zukommen ließ. Bereits im Alter von acht Jahren war Donald Trump Millionär, schreibt die New York Times, mit 17 gehörte ihm ein Appartementgebäude mit 52 Wohnungen, und nach seinem Studium erhielt er jährlich eine Million Dollar von seinem Vater. Das passt alles nicht so richtig zu dem Bild, das Trump über die Jahre von sich selbst gezeichnet hat.

Als er als Präsidentschaftskandidat durch das Land zog, wiederholte er immer wieder, dass er sein ganzes Imperium selbst geschaffen habe. Von seinem Vater habe er bloß einmal ein Darlehen über eine Million Dollar erhalten: "Ich musste ihm das mit Zinsen zurückzahlen." Die New York Times schreibt dagegen, dass Trump von seinem Vater mehr als 60 Millionen Dollar alleine in Form von Darlehen bezog.

Aus Kreditschulden sollen mit Buchhaltungstricks Abschreibungen geworden sein

Problematischer ist die zweite Aussage des Zeitungsberichts. In seinem Bemühen, Schenkungs- und Erbschaftssteuern zu umgehen, habe Fred Trump Methoden angewandt, die mindestens zweifelhaft gewesen seien. Donald Trump unterstützte ihn dabei. Die beiden taten dies zum Beispiel, indem sie Kreditschulden, die der Sohn beim Vater zeitweise hatte, mit Buchhaltungstricks in steuerliche Abschreibungen zugunsten von Fred Trump verwandelten. Zudem verschleierte die Familie Überweisungen an Donald und seine Geschwister über eine 1992 gegründete Scheingesellschaft. Die Firma, die den Kindern gehörte, verkaufte Haushaltsgeräte zu überteuerten Preisen an Fred Trumps Mietliegenschaften - und generierte damit für ihre Eigner ein Einkommen, das als Schenkung steuerpflichtig gewesen wäre. Laut New York Times handle es sich dabei um einen "offenkundigen Betrug".

In seinen letzten Lebensjahren übertrug Fred Trump, der 1999 verstarb, seine Immobilienunternehmen auf seine Kinder. Der deklarierte Wert der Grundstücke betrug dabei laut New York Times im Jahr 1995 bloß 41,4 Millionen Dollar. Keine zehn Jahre später schätzten Banken den Wert der gleichen Immobilien auf fast 900 Millionen Dollar.

Trump wies den Bericht der New York Times zurück. Es habe keinen Betrug und keine Steuerhinterziehung gegeben, teilte einer seiner Anwälte in einer Stellungnahme mit. Trump selbst bezeichnete die im Artikel erhobenen Vorwürfe über Twitter als "sehr alt, langweilig und schon oft bemüht". Die Finanzbehörden des Bundesstaats New York haben eine Untersuchung angekündigt.

© SZ vom 04.10.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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