Besuch in der Ukraine:Jazenjuk präsentiert eine Wunschliste

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Jazenjuk kümmert das wenig. Er nutzt die kurze Begegnung, um Steinmeier eine konkrete Wunschliste zu präsentieren. Sein Land brauche dringend mehr Energie aus Europa, um von russischem Gas unabhängiger zu werden. Außerdem benötige man Hilfe bei der Re-Mobilisierung der Wirtschaft. Und, ja, auch bei der Rüstung müsse man zusammenarbeiten. Für die ukrainische Armee sei das zwingend notwendig. Und Steinmeier? Hütet sich, darauf eine Antwort zu geben. Er will solidarisch sein, aber nicht gleich Versprechen abgeben, die ihn in die Nähe einer ukrainischen Nato-Mitgliedschaft bringen könnten.

Zumal Steinmeier am Nachmittag auch Donezk einen kurzen Besuch abstattet, um auch der russisch-sprachigen Bevölkerung in der Ost-Ukraine Interesse und Sympathie zu bekunden. Dort trifft er den mächtigsten Oligarchen Renat Achmetow und kann anschließend erklären, auch hier sei er der Bereitschaft begegnet, eine neue Ukraine zu unterstützen. Acht Stunden, zwei Städte und der Versuch, kleine Hoffnungsschimmer auszumachen.

Wie wackelig trotzdem alles noch ist, muss Steinmeier unmittelbar vor dem Rückflug erfahren. Die OSZE-Beobachtermission ist nach mühsamsten Verhandlungen zwar am Freitagabend beschlossen worden. Aber diese Nachricht wird am Samstagnachmittag von gefährlichen Zusammenstößen zwischen russischen und ukrainischen Soldaten auf der Krim überschattet. Wie hatte es Steinmeier am Vormittag gesagt: Vor der neuen ukrainischen Regierung liege noch ein langer und mühsamer Weg. Von den jüngsten Konflikten hatte er da noch gar nichts mitbekommen.

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