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Besuch in Berlin:Pussy-Riot-Aktivistinnen streben in die Politik

Cinema for Peace - Pussy Riot

Pussy Riot in Berlin: Maria Aljochina (l) und Nadeschda Tolokonnikowa

(Foto: dpa)

Die Haft in russischen Lagern hat ihr Engagement nicht gebrochen: Die beiden Frontfrauen der kremlkritischen Band Pussy Riot erwägen, für das Moskauer Stadtparlament zu kandidieren.

Die Aktivistinnen der russischen Punkband Pussy Riot erwägen den Gang in die Politik. Zur Präsidentschaftswahl in Russland würden sie sich zwar nicht aufstellen lassen, sagte Nadeschda Tolokonnikowa in Berlin. Aber sie könnten sich vorstellen, bei der nächsten Bürgermeisterwahl in Moskau anzutreten, fügte sie hinzu. "Das wäre einen Versuch wert", sagte Bandkollegin Maria Aljochina.

Mit ihrer - von den russischen Behörden allerdings noch nicht zugelassenen - Nichtregierungsorganisation Zona Priva wollen sich die beiden Frauen für die Verbesserung der Haftbedingungen in russischen Gefängnissen einsetzen. Tolokonnikowa und Aljochina waren erst Ende vergangenen Jahres selbst aus der Lagerhaft entlassen worden. Sie fordern jetzt, die Gefängnisse unter internationale Beobachtung zu stellen. Die Misshandlung von Gefangenen müsse unter Strafe gestellt werden, verlangte Tolokonnikowa.

Die Pussy-Riot-Aktivistinnen halten sich in Berlin auf, um am Montagabend bei der Gala "Cinema for Peace" teilzunehmen. Dort ist die Dokumentation "Pussy Riot - A Punk Prayer" für einen Preis nominiert.

Zu Gerüchten, wonach die beiden Aktivistinnen nicht mehr zu der Punkband gehören, sagte Tolokonnikowa, sie wisse nicht, von wem diese stammten. Grundsätzlich könne jeder zu Pussy Riot gehören. Zu den Bandkolleginnen, die vor ihrer Festnahme Mitglieder von Pussy Riot waren, hätten sie weiterhin Kontakt.

Tolokonnikowa, Alechina und ihre Bandkollegin Jekaterina Samuzewitsch hatten im Februar 2012 an einem "Punkgebet" in einer Moskauer Kirche teilgenommen, das sich gegen den heutigen russischen Präsidenten Wladimir Putin richtete. Sie wurden daraufhin wegen "Rowdytums" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Samuzewitsch kam später auf Bewährung frei, Tolokonnikowa und Alechina profitierten im Dezember von einer Amnestie.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/gal

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