Bernd Lucke Zwischen Konservatismus und Rechtsradikalismus

Die AfD stellte sieben EU-Abgeordnete. Inzwischen sind fünf bei Alfa und zwei noch bei der AfD. Wie gehen Sie miteinander um?

Wir gehen aneinander vorbei.

Beatrix von Storch und Marcus Pretzell sollen am 12. April aus der euroskeptischen Fraktion ausgeschlossen werden. Was erwarten Sie?

Der Fraktionsvorstand hat ihnen nahegelegt, sich eine neue Fraktion zu suchen. Das gestaltet sich anscheinend schwierig. Man scheint sich nicht gerade um sie zu reißen. Aber ich kann mir schwer vorstellen, dass die AfD-Abgeordneten die Demütigung eines Rausschmisses hinnehmen wollen. Deshalb denke ich, dass sie wohl vor dem 12. April gehen werden.

Haben Sie eine Erklärung für den Wandel von Alexander Gauland?

Gauland war einst ein intellektueller Konservativer. Dass er zu einem Populisten und Scharfmacher geworden ist, empfand ich als eines der bedrückendsten Erlebnisse, die ich in der AfD gemacht habe. Ihn scheinen die Wahlkämpfe auf der Straße sehr zu prägen. Er will das Sprachrohr der einfachen Menschen sein. Aber warum er sich dazu hergibt, das unreflektiert und ungefiltert zu tun, kann ich nicht wirklich verstehen.

Waren Sie bei der AfD von den falschen Leuten umgeben?

Anfangs nicht, da waren auch Gauland und Petry viel moderater. Doch im Laufe der Zeit hat sich die Parteibasis radikalisiert und sie haben sich mittreiben lassen und deren Positionen übernommen. Da fehlte den heutigen Funktionären der AfD einfach das politische Rückgrat, auch mal Nein zu sagen, wenn man Positionen der Basis nicht für richtig hält. Das hängt wahrscheinlich aber auch damit zusammen, dass ein nicht kleiner Teil des AfD-Führungspersonals beruflich gescheitert war und seine einzige Berufsperspektive eben in der Partei sah.

Kennen Sie noch das Personal, mit dem die AfD all die neuen Posten besetzen wird?

(lacht) Oh ja, einige kenne ich noch sehr gut. Es gibt Leute, die haben einfach erschreckend wenig Ahnung, und es gibt andere, die sich ideologisch in bestimmte Sachen verbissen haben und sehr bewusst im Bereich zwischen Konservatismus und Rechtsradikalismus unterwegs sind. Die haben zum Teil so bizarre Ansichten, dass man sich wundern muss, wieso der Wähler ihnen zumindest teilweise die Geschicke unseres Landes anvertraut hat.