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Berlusconi und die Prostitutionsaffäre:Der Zorn des Vatikans

Von den Staatsanwälten ist Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi schwerwiegende Vorwürfe gewohnt. Anhaben konnten sie ihm bislang nichts. Doch angesichts der Affäre um Amtsmissbrauch und Prostitution schaltet sich nun auch der Vatikan ein.

Viel wurde dem italienischen Regierungschef schon nachgesagt, doch so schwerwiegend wie diesmal waren die Vorwürfe noch nie: Prostitution Minderjähriger und Amtsmissbrauch. Nun hat sich mit deutlichen Worten, wenn auch etwas spät, der Vatikan zu dem Skandal um angebliche Sex-Partys des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi geäußert.

Wegen seiner hohen Arbeitsbelastung schaue er hin und wieder schöne Frauen an und finde dies besser "als schwul zu sein", hat Berlusconi kürzlich erklärt. Die Staatsanwaltschaft in Mailand wirft ihm vor, schöne Frauen nicht nur anzuschauen, sondern sich an Prostitution beteiligt zu haben.

(Foto: AFP)

Der Heilige Stuhl verfolge diese Vorgänge "mit großer Aufmerksamkeit und Besorgnis", sagte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, die rechte Hand von Papst Benedikt XVI., in Rom. Es gehe dabei um die "große Verantwortung vor allem vor den Familien, vor den jungen Generationen und mit Blick auf die Frage eines vorbildlichen Verhaltens".

Vertraute Berlusconis werden von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, einen Prostitutionsring organisiert zu haben, der Frauen für Partys des 74-Jährigen auf dessen Luxus-Anwesen Arcore bei Mailand besorgt habe - darunter auch die damals noch minderjährige Marokkanerin Karima El Marough, genannt Ruby.

Die ermittelnden Mailänder Staatsanwälte verfügen eigenen Angaben zufolge darüber hinaus über Beweise, dass der Regierungschef selbst Wohnungen unterhielt, in denen er Prostituierte kostenlos unterbrachte, die er für Feste auf seiner Residenz in Arcore nahe Mailand nutzte.

In den Augen des Vatikans dürfte auch der Hinweis des Ministerpräsidenten, er habe doch eine Freundin, die ein solches Verhalten gar nicht zulassen würde, wenig Sympathie erzeugen.

Bereits 2009 hatten die italienischen Bischöfe die Umstände bei der Scheidung von Berlusconi kritisiert, sowie dessen Schwäche für "die Jugend von Schauspielerinnen in der Blüte ihrer Jahre".

Dass sich Berlusconi den Zorn des Vatikans zugezogen hat, dürfte dem konservativen Regierungschef wegen der katholischen Wählerschichten ungelegen kommen. Bislang wurde er von vielen Katholiken gewählt, die ihn gegenüber den Linken für das kleinere Übel hielten.

Vor zwei Jahren hatte er darauf gesetzt, dass die italienischen Katholiken die Vorwürfe als unbegründet betrachten würden. Er hatte den Skandal um seine angebliche Affäre mit einer 18-Jährigen als Komplott der politischen Gegner dargestellt. Nun wirft er den Staatsanwälten vor, ihre Ermittlungen gegen ihn seien politisch motiviert und sie würden die Sexaffäre als "politische Waffe" einzusetzen.

Doch die Vorwürfe gegen Berlusconi wiegen diesmal deutlich schwerer als bei dem Skandal um seine Scheidung. "Die Kirche lädt alle ein, insbesondere jene, die eine Position der öffentlichen Verantwortung innehaben, eine striktere Moral und einen Sinn für Gerechtigkeit und Gesetzmäßigkeit unter Beweis zu stellen", sagte Kardinalstaatssekretär Bertone. Diesen Sinn, so muss man die Formulierung wohl verstehen, vermisst man im Vatikan demnach bei Berlusconi.

Der Präsident der Vereinigung der italienischen Staatsanwälte, Luca Palamara, bezeichnete die Vorwürfe Berlusconis inzwischen als "inakzeptabel". Sie bedrohten "ernsthaft die Autonomie und Unabhängigkeit der Staatsanwaltschaft". Sie wollten nicht in die Politik hineingezogen werden, sagte Palamara und betonte, er verteidige "den Frieden meiner Kollegen, die Ermittlungen führen".

Sollten sich die Vorwürfe gegen Berlusconi erhärten und er vor Gericht gestellt werden, droht ihm eine Haftstrafe. In Italien ist Sex mit Prostituierten erlaubt, mit Minderjährigen steht er hingegen unter Strafe. Darüber hinaus wird ihm vorgeworfen, er habe sein Amt missbraucht, um die Freilassung des Callgirls Rubys zu erwirken, als diese wegen Diebstahlverdachts in Polizeigewahrsam war.

Das italienische Verfassungsgericht hatte vergangene Woche die Immunität Berlusconis aufgehoben und damit eine Strafverfolgung des Regierungschefs ermöglicht.

Italien

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