Berlusconi: "La Repubblica"Silvios millionenschweres Schweigen

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Zehn Fragen hatte La Repubblica Silvio Berlusconi gestellt. Eine Antwort erhielt die Zeitung nie - aber eine Schadensersatzklage über eine Million Euro.

Seit Monaten wird der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi durch Berichte über angebliche Sex-Affären und wilde Partys gebeutelt. Jetzt aber reicht's dem Cavaliere; er geht in die juristische Offensive.

"Verleumderisch": Silvio Berlusconi klagt gegen "La Repubblica".
"Verleumderisch": Silvio Berlusconi klagt gegen "La Repubblica". (Foto: Foto: AP)

Vor einem Gericht in Rom strengt der 72-jährige Milliardär und Medienmogul einen Prozess gegen die linksliberale Zeitung La Repubblica an und fordert eine Million Euro Schadensersatz.

Auslöser sind die jeden Tag von dem römischen Blatt veröffentlichten "zehn Fragen" an den Regierungschef, die dieser jedoch für "verleumderisch" hält. Die Zeitung berichtete am Freitag selbst über das anstehende Verfahren.

In dem Fragenkatalog zum Fall Noemi will La Repubblica unter anderem wissen, wo Berlusconi die 18-jährige Noemi Letizia, mit der ihm eine Affäre nachgesagt wird, kennengelernt hat und was ihn dazu gezwungen habe, über Monate hinweg "nicht die Wahrheit zu sagen". Nachgefragt wird auch nach Berlusconis Treffen mit einem Callgirl und ob ihn das nicht erpressbar machen könnte. Die zehnte Frage zielt schließlich darauf ab, wie es ihm nach alledem gesundheitlich geht. Alles Fragen, auf die ein amtierender Regierungschef Auskunft geben sollte - Berlusconi aber nicht. Denn eine Antwort kam nie.

Neben den "zehn Fragen" beanstandet Berlusconi außerdem die Berichterstattung der französischen Zeitung Nouvel Observateur über die Reaktionen der ausländischen Presse zu seinem Fall, auf die sich auch La Repubblica bezog.

Darin ist die Rede von Machenschaften der russischen Mafia, die die Spitze des italienischen Staates infiltriere sowie von einer Aufzeichnung über Gleichstellungsministerin Mara Carfagna und Bildungsministerin Mariastella Gelmini, die "den Skandal noch weiter schürt."

Gerichtsverfahren seien angestrengt in Italien, Frankreich und Spanien, Klagen in Großbritannien würden noch geprüft, sagte Berlusconis Anwalt Niccolo Ghedini. Vorgegangen werde gegen den Nouvel Observateur wegen eines Artikels mit dem Titel "Sex, Macht und Lügen" und gegen das spanische Blatt El Pais, das Fotos abdruckte, die Gäste von Berlusconi auf dessen Luxusanwesen auf Sardinien nackt zeigen.

Berlusconi fordert Schadensersatz, und zwar nicht wenig. Die Summe von einer Million Euro, die er von La Repubblica will, sei aufgrund der Reichweite der Zeitung und Berlusconis Status' gerechtfertigt, so die Anwälte des Medienmoguls.

"Erstmals in der Geschichte der italienischen Medien landen die Fragen einer Zeitung vor dem Richter", so meinte La Repubblica ironisch. Seinen entsprechenden Leitartikel titelte Chefredakteur Ezio Mauro schlicht mit "Vertuschen" und bezichtigt den Vorsitzenden der Partei Popolo della Libertà darin, die öffentliche Schande, zumindest in Italien, zu vertuschen und damit einen internationalen Skandal mit politischen Konsequenzen.

Berlusconi ließ durch seine Anwälte verlauten, die Fragen seien Phrasen, die gar keine Antworten verlangten, sondern "wahre Umstände" suggerieren wollten. Der 72-Jährige hatte wiederholt betont, zwar "kein Heiliger" zu sein, dabei allerdings keine Beziehungen zu Minderjährigen gehabt und auch niemals für Sex bezahlt zu haben.

© sueddeutsche.de/dpa/cag - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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